Kommentar: Beton für die Familie

12. Jänner 2004, 21:38
29 Postings

Von Frauenpolitik kann bei Schüssel nicht die Rede sein - von Renate Graber

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat uns nicht belogen. Er hat aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht: "Funktionierende Familien sind uns nicht nur ein Herzensanliegen, sondern auch gesellschaftspolitisches Ziel", lässt der Kanzler seine ÖVP im Internet programmatisch verkünden. Plangemäß folgen nun, Stück für Stück, die logischen Taten, mit denen ein realitätsfernes Familienbild einbetoniert wird.

ÖVP und FPÖ machen konservative Politik für "funktionierende" Familien, wie Elisabeth Gehrer (Stichwort: Kinder- statt Partymachen) oder Andreas Khol sich diese noch erträumen. Für Familien eben, in denen alles so ist, wie es früher einmal sein musste. Wie damals, als Papa ins Büro marschiert ist und Mama - meist vergeblich - ihr Heil am Herd gesucht hat.

Step 2

Die in der Steuerreform angekündigte Entlastung für AlleinverdienerInnen ist, nach der Einführung des Kindergeldes 2002, bereits der zweite Schritt auf diesem Weg. Entlastet werden ausschließlich Alleinverdienerfamilien. Dafür darf der zu Hause Gebliebene etwas mehr dazuverdienen; ein Taschengeld halt, vielleicht für die Nachhilfestunden der Kids.

Die Folge dieser Förderpolitik ist abzusehen. Frauen, die ohnedies immer schwerer Jobs finden (und wenn, dann meist schlecht bezahlte), werden zunächst einmal, um einen kurzfristigen finanziellen Vorteil zu lukrieren, aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Und später einen hohen Preis dafür zahlen. Dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind, die Ehe geschieden und weit und breit kein Job für die nunmehr hoffnungslos Unterqualifizierte in Sicht ist. Von der Pension ganz zu schweigen.

Ob Kindergeld, das in erster Linie junge Frauen vom Arbeitsmarkt fern hält, oder Steuerreform: Eines macht Schüssel garantiert nicht: Politik für Frauen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 13.1.2004)

Share if you care.