Wie wird man mit Überalterung und Migration fertig?

15. Jänner 2004, 12:32
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Genf - Internationale Experten prüfen beim Europäischen Bevölkerungsforum 2004 unter anderem Lösungen gegen die Überalterung der Gesellschaft. Das Treffen der 55 Länder der UNO-Wirtschaftskommission für Europa (UNO-ECE) begann am Montag in Genf und dauert bis Mittwoch.

Das Ziel des Forums sei, den Aktionsplan der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo 1994 zu stärken, sagte Walter Fust, Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und Präsident des Forums. Dazu sollen Regierungen und Parlamente mobilisiert werden. Das Forum soll entsprechende Empfehlungen erarbeiten.

"Kein Wundermittel"

Thoraya Ahmed Obaid, Direktorin des Weltbevölkerungsfonds (UNFPA), sagte, es gebe kein Wundermittel, um die Fragen der Überalterung, des Geburtenrückgangs und der Migration zu lösen. Für die Umsetzung des Aktionsprogramms von Kairo fehlten jedoch drei Milliarden Dollar (2,34 Mrd. Euro).

Zu dem Programm zählt unter anderem das Recht auf Gesundheitsversorgung im Bereich der Sexualität und der Reproduktion sowie die Bildung für Frauen.

Während im Norden die Überalterung der Gesellschaft als Gefahr für den Wohlstand betrachtet werde, bedrohe das schnelle Bevölkerungswachstum im Süden die ökonomische Entwicklung, sagte Poul Nielsen, EU-Kommissar für Entwicklung. Die Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Pensionen förderten die Diskussion über eine Öffnung Europas für die Immigration.

Brain drain

Nielsen warnte jedoch vor einem Brain drain aus armen Ländern, auch aus Ost- nach Westeuropa. Die EU müsse bei ihrer Erweiterung eine soziale Verantwortung übernehmen, sagte er.

Möglich sei eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit, meinte Nielsen weiter. Dafür müsse jedoch auch die Bereitschaft bestehen, die Arbeit der älteren Generation aufzuwerten.

Eine andere Möglichkeit sei, Anreize für mehr Kinder zu schaffen, so ein Vertreter des Europarates. Dafür sei die Finanzierung von Infrastrukturen notwendig.

In Osteuropa und den GUS-Staaten gebe es zusätzlich zum Geburtenrückgang eine Verschlechterung des Gesundheitswesens und eine schnelle Verbreitung von HIV/Aids. Das führe zu einer Besorgnis erregenden Situation.(APA/sda)

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