US-Soldaten töten sieben Iraker

13. Jänner 2004, 18:58
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Zapften Pipeline an - Schiiten-Führer will Wahl 2004

Bagdad/Kairo/New York/London - Bei Zusammenstößen zwischen Irakern und Besatzungssoldaten sind am Montag mindestens sieben Iraker und ein US-Soldat getötet sowie jeweils zwei amerikanische und ukrainische Soldaten verletzt worden. Der geistige Führer der schiitischen Bevölkerungsmehrheit, Großayatollah Ali el Sistani, forderte unterdessen, das neue Übergangsparlament müsse im kommenden Juli vom Volk gewählt und nicht in einem Auswahlverfahren bestimmt werden. Der bisherige UNO-Beauftragte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, wird künftig UNO-Generalsekretär Kofi Annan als Chefberater für den Irak-Konflikt zur Seite stehen.

Pipeline angezapft

US-Soldaten erschossen am Montag sieben Iraker, die zusammen mit mehreren Komplizen dabei waren, eine Ölpipeline in der Nähe der nordirakischen Stadt Samarra anzuzapfen. Dies bestätigte US-Militärsprecher General Mark Kimmitt am Montag in Bagdad. In der südlich von Bagdad gelegenen Stadt Kut seien zwei ukrainische Soldaten sowie mehrere Demonstranten und irakische Polizisten verletzt worden, berichteten arabische Fernsehsender. Ein US-Soldat wurde getötet und zwei weitere erlitten Verletzungen, als im Zentrum von Bagdad ein Sprengsatz unter ihrem Fahrzeug explodierte, wie das US-Militärkommando in Bagdad bekannt gab.

Wie die US-Armee am Montag mitteilte, hatte ein Wachmann am vergangenen Freitag in Bakuba die Explosion einer größeren Autobombe vor einer schiitischen Moschee verhindert. Die Polizei habe in einem Auto neben der Moschee 113 Kilogramm Plastiksprengstoff sowie größere Mengen Munition und einen Fernzündemechanismus gefunden. Bei einer Explosion neben einer anderen schiitischen Moschee im nordöstlich von Bagdad gelegenen Bakuba waren am selben Tag sechs Menschen getötet und 37 weitere verletzt worden.

Freie Wahlen

"Wir wollen, dass es allgemeine freie Wahlen gibt und kein Ernennungsverfahren", sagte Großayatollah Sistani nach Angaben irakischer Medien vom Montag vor Stammesführern im südirakischen Samawa. Der Regierungsrat und die US-Besatzungsmacht hatten sich im vergangenen November darauf geeinigt, dass ein neuer, ernannter Übergangsrat in diesem Juli formell die Entscheidungsgewalt übernehmen soll. Allgemeine Wahlen im Irak soll es wegen des Fehlens vollständiger Wählerregister erst 2005 geben.

Der frühere algerische Außenminister Brahimi, der mehrfach in Krisenregionen im Einsatz war, soll nach Verlautbarungen aus UN- Kreisen vor einem am 19. Jänner geplanten Treffen mit Vertretern des irakischen Regierungsrates sowie der USA und Großbritanniens berufen werden. Er soll aber nicht das Amt des Irak-Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen in Bagdad übernehmen, sondern seinen Sitz im UN-Generalsekretariat in New York haben. Sein Aufgabenbereich soll sich über den Irak hinaus auf den gesamten Nahen und Mittleren Osten beziehen. Der frühere Irak-Beauftragte, Sergio Vieira de Mello, war am 19. August bei einem Bombenanschlag auf das UN-Quartier in Bagdad getötet worden.

Die USA nutzen zum Austausch Tausender amerikanischer Soldaten im Irak den Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Südtürkei. Die Operation wird nach türkischen Medienberichten voraussichtlich vier Monate dauern. Washington will in den nächsten Monaten 130 000 US- Soldaten aus dem Irak abziehen und durch 110.000 neue ersetzen.

Die britische Regierung bekräftigte unterdessen die Notwendigkeit des Irak-Krieges. Der Krieg sei leider unumgänglich gewesen, sagte ein Sprecher von Premierminister Tony Blair am Montag in London. Er reagierte damit auf eine Erklärung des früheren US-Finanzministers Paul O'Neill vom Wochenende, laut der die Entscheidung zum Krieg bereits zu Beginn der Amtszeit von Präsident George W. Bush im Jänner 2001 fiel. "Ich glaube nicht, dass jemand die ernsthafte Entschlossenheit der Koalition zu einer friedlichen Lösung in Zweifel ziehen sollte", sagte Blairs Sprecher. "Leider war das nicht möglich." (APA/dpa/AP)

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