Hinunter in den Marianen-Graben

13. Jänner 2004, 23:16
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Kein bemanntes U-Boot, sondern ein Roboter wird auf den Tauchgang vorbereitet - Meeresgrund noch immer weitgehend unerforscht

London/San Franzisko - Der Marianen-Graben, die tiefste Meeresstelle der Erde, soll erneut von einem Roboter besucht werden. Das neue Gefährt heißt HROV (Hybrid Remotely Operated Vehicle) und wird vom Woods Hole Oceanographic Institute gemeinsam mit der Johns Hopkins University gebaut. Es soll Licht ins Dunkel der Tiefsee bringen. 10.924 Meter unter der Wasseroberfläche liegt der tiefste Punkt des Grabens.

Menschen sind seit der bemannten U-Boot-Expedition von Jacques Piccard und Don Walsh 1960 nicht mehr in die Tiefen des Marianen-Grabens abgetaucht. 1995 schaffte das unbemannte japanische U-Boot Kaiko den Abstieg. Allerdings fehlen den Wissenschaftlern Bilder, Bodenproben und Untersee-Karten, die die Topographie des Grabens besser erklären können. Das neugeschaffene HROV soll in zwei verschiedenen Variationen die Tiefsee durchkämmen: einerseits als Remotely Operated Vehicle, verbunden mit Mikrokabeln, die den Kontakt zum Schiff halten und somit in Echtzeit gesteuert werden, andererseits als autonomes U-Boot, das auch unter der Eisdecke des Nordpols durchtauchen soll. Mit Hilfe von Batterien kann das HROV 36 Stunden lang mit Energie versorgt werden.

Unbekanntes Terrain

Der Marianen-Graben ist für die Wissenschaft von größtem Interesse. Nicht nur die Fauna des Grabens ist den Forschern bis heute gänzlich unbekannt, sondern auch die geologischen Hintergründe. Der Graben ist einer der aktivsten Erdbebenzentren der Erde und birgt zahlreiche Rätsel in sich, wie Experten der US-Geophysical Union beim jüngsten Treffen in San Francisco bekundet haben. "Die Menschen kennen die Marsoberfläche besser als den Grund des Meeres", sind sich die Ozeanographen einig. Immerhin sind 90 Prozent des Meeresbodens bisher unbekanntes Terrain.

"Tiefsee-Forschung ist wie die Erforschung des Alls", meint Chris German vom britischen Southampton Oceanography Centre (SOC). "Ebenso wie im All überstehen Roboter diese extremen Bedingungen besser als Menschen", meint der Forscher, der selbst sein Aufenthaltslimit in einem U-Boot mit acht Stunden angibt. Allerdings wären Roboter erst in den vergangenen Jahren tatsächlich in der Lage, den Anforderungen der Wissenschaft zu entsprechen. Bis HROV nämlich tatsächlich zum Grund des Meeres absteigt, wird es noch drei bis vier Jahre dauern. (pte)

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