"Pflegeskandal" brachte ein paar Verfahren ins Rollen

13. Jänner 2004, 18:32
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Die Schreckensmeldungen über schlechte Zustände in Heimen überschlugen sich - Viele Beschwerden erwiesen sich aber als nicht stichhaltig

Wien - "Gefühlsmäßig wird nicht viel übrig bleiben." In der Kriminaldirektion 1 ist man nach den Ermittlungen zu angeblich neun ungeklärten Todesfällen im Spital auf der Baumgartner Höhe vorsichtig, was Beweise für Mord oder fahrlässige Tötung anlangt. Ein Gerichtsmediziner wollte voriges Jahr im September bemerkt haben, dass etliche Drogenpatienten aus ungeklärter Ursache verstorben seien. Die Kriminalpolizei ermittelte, die Staatsanwaltschaft entscheidet demnächst, ob Anklage erhoben wird.

Im Zuge des Lainzer "Pflegeskandals" haben sich die Meldungen über angebliche Pflegemissstände in Heimen und Spitälern überschlagen. Ein halbes Jahr später steht die Frage im Raum, was von all dem übrig blieb.

Ausgangspunkt aller Ermittlungen war ein Bericht der Aufsichtsbehörde. Eine Gutachterin hatte im Pavillon 1 in Lainz eine nachlässig gepflegte Patientin vorgefunden. Der Bericht gelangte an die Öffentlichkeit, das gesamte Geriatriezentrum wurde zum Skandalhaus, obwohl folgende Prüfungen nur vereinzelt Mängel aufzeigten. Generell von schlechter Betreuung zu sprechen, sei unzulässig, sagen Experten. Eine Untersuchungskommission versucht nicht nur Missstände zu hinterfragen, sondern auch die politische Verantwortung zu klären. Ein Bericht wird im Herbst vorliegen.

Derweil ist die Disziplinarkommission für Gemeindebedienstete mit den Nachwirkungen des "Pflegeskandals" beschäftigt. Gegen zwei Personen wurde ein Verfahren eröffnet: gegen Pflegedirektor Günther Pelikan. Er hat unter anderem durch einen umstrittenen Führungsstil aufhorchen lassen. Außerdem ist seit November eine 52-jährige Pflegerin vom Dienst in Pavillon 8 suspendiert. Ihr wird vorgeworfen, Patienten grob behandelt zu haben.

300-mal interveniert

Konsequenzen aus dem Skandal sind eine Geriatriezulage für Pfleger, die direkt Dienst am Bett tun, die vorgezogene Sanierung der Lainzer Pavillons respektive ein Bettenabbau im Geriatriezentrum. Es wurde auch die Pflegeombudsschaft eingerichtet, damit Beschwerden nicht mehr versanden. Bisher ist man rund 300-mal tätig geworden. Bei derlei "Interventionen" handelt es sich um Beschwerden, Vermittlungsgespräche, Hilfe bei Amtswegen, aber genauso um Lob, erklärt Büroleiterin Elisabeth Paschinger.(Andrea Waldbrunner, Der Standard, Printausgabe, 13.01.2004)

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