Lehren aus dem, was man nicht vergisst

30. Jänner 2004, 15:07
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Als "positives Unikum" bezeichnet Leon Zelman das von ihm redigierte Jüdische Echo: eine einmal im Jahr erscheinende, via Botschaften in alle Welt verbreitete Zeitschrift, ein Diskussionsforum zu relevanten Zeitfragen für bekannte österreichische und internationale Autoren. Darüber hinaus versucht der Holocaust-Überlebende Zelman, vom einst großen jüdischen Geistesleben Wiens nach dessen Zerstörung und Vertreibung etwas in die Gegenwart zu retten.

Die Ausgabe 2003, die am Dienstag, in Wien präsentiert wird (Infos: 01/533 27 30, www.jewish-welcome.at), befasst sich zentral mit dem gespannten Verhältnis zwischen Europa und den USA. Neben Beiträgen von Paul Lendvai, Hugo Portisch, Peter Huemer und Albert Rohan findet sich ein starker englischsprachiger Text über "europäischen Anti-Amerikanismus" von Andrei Markovits - ein u. . in Harvard tätiger US-Professor aus Rumänien, der 1967 am Wiener Theresianum maturiert hat.

Über "Politik und Antisemitismus" in Österreich schreiben Autoren wie Elfriede Jelinek, Anton Pelinka, Hans Rauscher und Armin Thurnher. Zeitgeschichtliches liefern Beiträge über NS-Vernaderertum und ein Vorgeschmack auf eine neue Arthur-Koestler-Biografie. Zur Nahost-Problematik versucht Zelman eine offene Diskussion, wie sie auch in Israel üblich sei, zu ermöglichen. Diesmal kommen u. a. ORF-Veteran Mosche Meisels, der israelische Sharon-Kritiker Yossi Sarid sowie Ben Segenreich und Gudrun Harrer (DER STANDARD) zu Wort.

Im Kulturteil sticht das "Leon-Wolke-Lied" heraus, das André Heller Leon Zelman gewidmet hat: "Ja, so redet Leon Wolke,/ und ich will, dass ihr es wisst,/ denn man kann nur Lehren ziehen/ aus dem, was man nicht vergisst." (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2004)

Das Jüdische Echo Europäisches Forum für Kultur und Politik 298 Seiten, jährlich einmal, Jewish Welcome Service, 1010 Wien, Stephanspl. 10
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