Die Bush-Methode, doch erfolgreich?

13. Jänner 2004, 17:53
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Die "Schurkenstaaten" entlang der "Achse des Bösen" lenken ein - Kolumne von Hans Rauscher

Vom Irak des Saddam Hussein ging kein nennenswerter Terrorismus aus, die Verbindungen zu Al-Kaida sind so gut wie nicht existent. Im Irak des Saddam Hussein wurden (zumindest jetzt) keine Massenvernichtungswaffen produziert, schon gar nicht nukleare. Inzwischen sind die USA tief in einen Kleinkrieg im Irak verstrickt, der trotz Saddams Gefangennahme nicht aufhört. Welchen Effekt hatte also dieser fragwürdige Krieg?

Dass eine der schrecklichsten Diktaturen der Welt gestürzt wurde. Das ist schon etwas. Aber, und das muss man jetzt mit aller gebotenen Vorsicht festhalten, der Krieg des George W. Bush im Irak scheint auch einen Effekt auf die "Schurkenstaaten" entlang der "Achse des Bösen" zu haben, von der Bush sprach. Sie lenken ein.

Libyens Diktator Gaddafi schwört der Produktion von Massenvernichtungswaffen (MVW) ab und will ein Mitglied der Weltgemeinschaft werden. Grund: Er hat gesehen, wie der Irak in drei Wochen erobert wurde, und weiß, dass die USA für Libyen drei Tage brauchen. Er will die Thronübergabe an seinen Sohn Saif, einen intimen Freund von Jörg Haider, sichern.

Der syrische Alleinherrscher Bashar Assad signalisiert Verhandlungsbereitschaft bezüglich MVW, Terrorbekämpfung und Frieden mit Israel. Grund: Die US-Army sitzt nebenan im Irak und damit auf einer wichtigen Ölversorgungsroute Syriens.

Diese Staaten gehören nur zur Nebenachse des Bösen. Die Hauptachse bildeten laut Bush (in seiner "State of the Union"-Rede vom Jänner 2002) der Iran, der Irak und Nordkorea.

Der Iran hat soeben seine Nuklearanlagen für Inspektionen geöffnet und quasi ein Atombombenprogramm zugegeben. Ein Machtkampf zwischen Reformern und konservativen Ayatollahs läuft. Nordkorea hat seine Atomanlagen für eine "inoffizielle" US-Gruppe geöffnet und macht beruhigende Geräusche. Und der Irak ist ja bekanntlich von der Liste gestrichen.

War also die Bush-Strategie der harten Faust richtig? Oder zumindest auf indirekte Weise wirksam? Der Irak stellte ja zuletzt keine wirkliche Bedrohung dar, weder für die USA noch für die Region. Aber der Sturz Saddams ist offenbar nicht ohne Wirkung auf die anderen Diktatoren geblieben. Diese Möglichkeit muss man auch als Skeptiker dieses Krieges einräumen.

Aber von einem Triumph der Bush-Methode kann man (noch?) nicht sprechen. Der Iran und Nordkorea versuchen offenbar auf Zeit zu spielen und haben ihre langfristigen nuklearen Pläne sicher nicht aufgegeben.

Vor allem aber geht die weltweit größte Gefahr nach wie vor von einem Staat aus, der ausdrücklich nicht auf der Liste der Bösen steht: Pakistan. Dort bündeln sich fertige Atomwaffen mit islamistischem Fanatismus und einer Durchseuchung der Gesellschaft, vor allem aber der Armee und des Geheimdienstes mit Terroristen, Al-Kaida und anderen. Pakistan gilt als Verbündeter der USA, aber das hängt nur am Leben des Militärherrschers Musharraf, der kürzlich zwei Attentaten knapp entging.

Pakistan ist in Wahrheit "der gefährlichste Platz der Erde" (US-Kolumnist Jim Hoagland). Dazu kommt, dass das irakische Experiment - wir krempeln den Mittleren Osten von dort aus um - ja noch in der Schwebe hängt und in ein größeres Fiasko kippen kann. Die nationale Sicherheitsstrategie der Bush-Administration - präventives Eingreifen überall auf der Welt, wo es uns notwendig erscheint - ist keineswegs glänzend bestätigt. Sie hat allerdings einige erste Erfolgsansätze gebracht. hans.rauscher@derStandard.at (DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2004)

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