Prodi mahnt Kroatien

14. Jänner 2004, 10:50
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Zagrebs neuer Premier Ivo Sanader zu Antrittsbesuch in Brüssel

Brüssel - "Kooperation" war der Schlüsselbegriff beim Antrittsbesuch des neuen kroatischen Premiers Ivo Sanader am Montag in Brüssel. Konkrete EU-Beitrittsperspektiven gab es aber nicht. EU-Kommissionschef Romano Prodi wies seinen Gast deutlich auf die Hürden hin, die einem Unionsbeitritt Zagrebs weiterhin im Weg stehen. Sanader besuchte in Brüssel auch Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer.

Die Zusammenarbeit mit dem Haager UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien, eine Lösung des Seegrenzenstreits mit dem EU-Beitrittsland Slowenien, die Behandlung der Minderheiten und die Reform des Justizsystem nannte Prodi als Probleme, die Kroatien auf dem Weg in die EU noch zu lösen habe. Ein Datum für die offizielle Stellungnahme der EU-Kommission zum Beitrittsgesuch Zagrebs von vergangenem Februar wollte er noch nicht nennen.

Premier Sanader, dessen Partei HDZ des verstorbenen Franjo Tudjman im November die Wahlen gewonnen hatte, versprach gute Kooperation nicht nur mit der EU-Kommission, sondern auch in der Balkanregion und insbesondere mit Slowenien. Schon am Freitag werde bei einem Treffen der Außenminister beider Staaten in Zagreb die strittige Grenzfrage besprochen.

Kroatien stößt unter anderem mit dem Plan, seine Wirtschaftszone in der Adria auszuweiten und so den Meerzugang Sloweniens zu erschweren, auf Protest. Von Österreichs Regierung wird Zagrebs EU-Kandidatur uneingeschränkt unterstützt. (jwo/DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2004)

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