Mühsames Erbsenzählen vor der neuen Abfalltonne

14. Jänner 2004, 08:59
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Seit Jahresbeginn darf Müll nicht mehr deponiert, sondern muss verbrannt oder mechanisch-biologisch entsorgt werden

Schwechat/St. Pölten/Linz/ Graz/Bregenz – Das rechtmäßige Sortieren des Abfalls bringt Monika Schleidt derzeit in die Nähe eines Anfalls: "Glas und Papier werden extra gesammelt, Dosen und Plastikflaschen kommen in den gelben Sack, der Restmüll in die schwarze Tonne", memoriert die Keramikerin aus Moosbrunn im Bezirk Schwechat die neuesten Wegwerfregeln.

Diese gelten seit erstem Jänner 2004 und sollen der seit diesem Tag bundesweit in Kraft befindlichen Deponieverordnung samt Wasserrechtsgesetz-Novelle zum Durchbruch verhelfen: in Schwechat und Umgebung sowie einem Drittel aller niederösterreichischen Bezirke. Während in einem weiteren Drittel, wie Andrea Hiller von der Arge Verpackungsverwertungs-GesmbH erläutert, "in den gelben Sack nur Plastikflaschen allein entsorgt werden sollen" – die Dosen also in den Restmüll gehören.

Im dritten Bezirksdrittel – "im Großen und Ganzen in Niederösterreich südlich der Donau" – sei man überhaupt bei der vorjährigen Regelung geblieben: Pet-Flaschen, Plastikverpackungen und Altmetalle in Gelb, Restmüll samt Glas in Schwarz: Ein, wie Hiller zugibt, Verwirrspiel der Müllordnungen, dadurch bedingt, dass sich "jeder Abfallwirtschaftsverband im Land autonom für eine der Lösungen entscheiden konnte."

Zwentendorfer Feuer

Für eine von drei Sammellösungen, die alle auf ein Sammelziel hin ausgerichtet sind: Dem Transport des Mülls per Bahn nach Dürnrohr/Zwentendorf, wo er in der neuen AVN-Müllverbrennungsanlage "thermisch verwertet" – sprich: dem Feuer überantwortet – wird.

Besagte Dürnrohrer Müllverbrennungsanlage am Ort einstiger Auseinandersetzung um die Kernenergie soll 300.000 Tonnen Restmüll pro Jahr entsorgen. Am Montag wurde sie nach mehrmonatigem Probebetrieb eröffnet. Damit, so Hiller, sei "Niederösterreich das erste Bundesland, das die Deponieverordnung praktisch umsetzt". Mitte 2004 werde die Stadt Salzburg folgen, während sich das Land Tirol ein Zuwarten bis zum Ende der gesetzlichen Übergangsfrist mit Beginn des Jahres 2008 ausbedungen habe.

"Verordnung flächendeckend umgesetzt"

"Wir sind gleich gut unterwegs wie Niederösterreich, auch bei uns wird die neue Verordnung flächendeckend umgesetzt", frohlockt der Chef der Fachabteilung Abfall- und Stoffflusswirtschaft in der steirischen Landesregierung, Wilhelm Himmel. Die Steiermark habe für die Veränderung der Deponieverordnung "gut vorgesorgt" und in Summe 125 Millionen Euro in neue Müllverbrennungs-, Sortier- und Aufbereitungsanlagen investiert.

Rund 80.000 Tonnen unbehandelter Restmüll landen jährlich auf den beiden Vorarlberger Mülldeponien. Das könnte auch noch bis 31. Dezember 2008 so bleiben. Durch mechanisch-biologische Aufbereitung und den Müllexport zu Verbrennungs 3. Spalte anlagen in der Schweiz soll das Aufkommen bereits heuer auf 50.000 Tonnen gesenkt werden. Ziel ist es, das Volumen des Deponiemülls auf 35.000 Tonen zu reduzieren.

Rechtsstreit

In Oberösterreich schwelte um die künftige Hausmüllentsorgung im Vorjahr ein Rechtsstreit: Die oberösterreichische BAV Abfallbehandlungsgesellschaft plante, den Auftrag von rund 150.000 Tonnen Hausmüll pro Jahr für einen Zeitraum von 17,5 Jahren im Gesamtwert von 250 Mio. Euro an die private Bietergruppe Bernegger/Brandtner zu vergeben. Die landeseigene Energie AG und die stadteigene Linz AG erhoben Einspruch. Im November 2003 einigte man sich: Bernegger/ Brandtner übernehmen die Logistik, die Linz AG die Vorbehandlung, die Energie AG die Verbrennung.

In Niederösterreich indes hat Monika Schleidt an der Entsorgungsavantgarde keine rechte Freude: "Die schwarzen Tonnen, in die jetzt all der Restmüll hineinkommt, werden einmal pro Monat geleert. Sind sie vorher überfüllt, kann man Zusatzsäcke bei der Gemeinde bekommen. Um drei Euro pro Sack." (bri, jub, mro,mue, Der Standard, Printausgabe, 13.01.2004)

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    Künftig wird die Müllentsorgung für die Österreicher komlizierter

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