Strategie für Spitzenreiter

13. Jänner 2004, 19:02
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Die kurze Vorwahletappe könnte schon im März zu Ende sein

Terry McAuliffe, der Vorsitzende der Demokratischen Partei und Chefarchitekt der neuen Vorwahlstrategie, hofft, dass seine Rechnung aufgehen wird: Im amerikanischen Wahljahr 2004 sind die "Primaries" derart gestaffelt, dass sie in den wichtigsten Staaten (und das sind die mit den meisten Wahlmännern, von denen der Präsident letztlich gewählt wird) knapp aufeinander folgen und ein demokratischer Präsidentschaftskandidat bereits Anfang März feststehen könnte.

McAuliffe glaubt, dass der demokratische Kandidat eine lange Anlaufzeit (sprich: genügend Zeit, um seine Wahlkassen zu füllen) benötigt, um Präsident George W. Bush besiegen zu können.

Super Tuesday

Nach den "Caucuses" (Wählerversammlungen) in Iowa am 19. Jänner folgt New Hampshire am 27. Jänner. Nur eine Woche später, am 3. Februar, findet der erste "Super Tuesday" statt, wobei einer der wichtigsten Südstaaten, South Carolina, eine zentrale Rolle spielt.

Auch so unterschiedliche Staaten wie Arizona, Missouri, Oklahoma, Delaware, North Dakota und New Mexico werden zu wichtigen Stationen für die demokratischen Kandidaten werden. Am 7. Februar wählen dann die Automobilarbeiter in Michigan im Mittleren Westen und die Bürger des westlichen Bundesstaates Washington. Am zweiten "Super Tuesday", dem 2. März, wählen so stark besiedelte Staaten wie Kalifornien und New York, Minnesota, Ohio und Massachusetts.

Sollte sich bis zu diesem Zeitpunkt noch kein klarer Spitzenreiter unter den Kandidaten herauskristallisiert haben, dann könnte der 9. März, an denen die Staaten Texas, Florida, Louisiana sowie Mississippi an der Reihe sind, bereits die Entscheidung bringen. Sollte Howard Dean in all diesen Staaten siegen, dann wäre er schon Anfang März mit einer Anzahl von insgesamt 2200 Wahlmännern inoffiziell zum Präsidentschaftskandidaten der demokratischen Partei gekürt.

Keine Empfehlung

Sollte jedoch Wesley Clark oder ein anderer Kandidat in mehreren Bundesstaaten (heiß umfehdet sind besonders die Südstaaten) mehr Stimmen ergattern als Dean, dann könnte sich die Entscheidung noch einige zusätzliche Wochen hinauszögern.

Sicher scheint aber, dass ein Kandidat allerspätestens Ende April, nach den Wahlen in Pennsylvania, feststehen wird. Auf jeden Fall ist die verkürzte Vorwahlsaison ein Vorteil für den Mann, der als Spitzenreiter in das Rennen einsteigt, also Howard Dean.

Bisher hat die demokratische Partei noch keinem Kandidaten die offizielle Unterstützung zugesagt. Der ehemalige Präsident Bill Clinton soll sich zwar für die Kandidatur von General Wesley Clark eingesetzt haben, aber auch er will noch keine Wahlempfehlung abgeben. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2004)

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