"Made in Austria" vor dem Aus?

16. Jänner 2004, 19:12
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Nach Plänen der Kommission sollen die bisher üblichen Herkunftsbezeichnungen durch ein EU-weites Gütesiegel ersetzt werden

Brüssel/Berlin - Die Europäische Kommission erwägt das Aus für "made in Austria". Derzeit analysiere die Behörde Vor- und Nachteile einer europaweiten Herkunftsbezeichung "made in EU", sagte die Sprecherin von Außenhandelskommissar Pascal Lamy.

Ob bestehende nationale Herkunftsangaben in Zukunft parallel verwendet werden könnten, sei noch offen. Von der deutschen Regierung jedenfalls kam umgehend eine klare Absage. "Ein Aus für 'made in Germany' ist für Deutschland unannehmbar", sagte Regierungssprecher Bela Anda. Auch deutsche Industrie und Markenexperten liefen Sturm gegen die Idee.

Im Brüsseler Büro der Wirtschaftskammer Österreich kann man sich ebenfalls nicht vorstellen, dass man die nationale Herkunftsbezeichnung "made in Austria",zugunsten eines "made in EU" aufgibt. Lamys Sprecherin führte an, der Vorschlag zur neuen, einheitlichen Kennzeichnung sei von Branchen wie der Textilindustrie sowie von Mitgliedstaaten - insbesondere von Italien - gekommen.

Voraussichtlich Ende März wolle die Kommission ihre Untersuchungen vorstellen, an denen die Industrie und Verbraucherschutzorganisationen sowie die Mitgliedstaaten beteiligt würden. Wichtig sei, dass die Lösung von Wirtschaft und Konsumenten angenommen werde, hieß es. Größter Nachteil sind nach einer ersten Analyse die zu erwartenden Mehrkosten.

Siegel mit Tradition

Die erste Herkunftsbezeichnung wurden Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Treibende Kraft dahinter war Großbritannien, dass sich - aus eher nationalistischen Beweggründen - durch die Kennzeichnung deutscher Produkte mit dem Siegel "Made in Germany" Wettbewerbsvorteile erhoffte. Dieses Siegel entwickelte sich erst später - sehr zum Leidwesen der britischen Industrie - zu einem wirklichen Gütezeichen. (DER STANDARD Printausgabe, 13.01.2004 AFP, red)

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    Geht es nach den Plänen der EU-Kommission, könnte das "Made in Austria"-Gütezeichen bald der Vergangenheit angehören.

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