Raketenabwehr für Passagierflugzeuge "sinnlos"

19. Jänner 2004, 12:54
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Experten halten nichts von entsprechenden US-Plänen - Piloten und Politiker jedoch dafür

London/Washington - Der vom US Department of Homeland Security DHS geforderte Einbau von Raketenabwehrsystemen in zivile Luftfahrzeuge wird von Experten als sinnlos bezeichnet. Demnach ergibt eine Kosten-Nutzen-Analyse keine Notwendigkeit dieser Technologien. Die amerikanische Coalition of Airline Pilots und US-Politiker hingegen sieht die Maßnahme als vorrangig, berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

Die Diskussion um die Raketenabwehr ist voll entfacht, nachdem das DHS Anfang Jänner mit der Ausschreibung solcher Systeme bei führenden Technologieunternehmen begonnen hat. Faktum bleibt für die Kritiker aber die Tatsache, dass in den vergangenen 25 Jahren 35 solche Angriffe mit 500 Menschenleben passiert sind. Dagegen sind allein in den USA fast 7.000 kommerzielle Flugzeuge angemeldet. Die Kosten werden von Sicherheits-Experten wie Chris Yates von Jane's Transport mit rund zehn Mrd. Dollar allein für den Einbau beziffert. Die Wartung der hochsensiblen Geräte würde den Fluggesellschaften jährlich weitere Millionen kosten. Yates schätzt den Angriff mit so genannten schultergefeuerten Raketen auf kommerzielle Flugzeuge als sehr gering ein. Etwa 150.000 solche Waffen sind weltweit im Einsatz. Üblicherweise werden solche Lenkwaffen in Krisen- und Kriegsgebieten verwendet. "Dort stellen sie eine Gefahr für die zivile Luftfahrt dar", so Yates, der die Sicherheitsmaßnahmen wie sie derzeit gehandhabt werden als ausreichend bezeichnet.

Nach Angaben der Washington Post kostet das Abwehrsystem von Northrup Grumman, das unter anderem beim DHS zum Test steht, rund eine Mio. Dollar pro Flugzeug. Mit knapp der Hälfte der Kosten beziffert Alliant Techsystems, ein Subunternehmen der United Airlines, sein Raketenabwehrsystem. Auch dieses steht bereits bei mehr als 1.000 Militärflugzeugen im Einsatz. Nach Aussagen des New Yorker Senators Charles Schumer ist die Anstrengung der Regierung ohnehin viel zu langsam. "Mit den Gefahren, die da auf uns warten, werden solche Abwehrsysteme zu einem Imperativ", meint James Shilling, Pilot und Sprecher der US Coalition of Airline Pilots. (pte)

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