Piloten mit Flugzeugcomputern meist überfordert

12. Jänner 2004, 13:26
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Experten fordern Rechner, die sich an der menschlichen Psyche orientieren

Britische Forscher warnen: Die Computer in vielen modernen Flugzeugen überfordern die Piloten. Anstatt dass sich die Systeme an die Psyche des Menschen anpassen, wird das Gegenteil erwartet. Beispielhaft analysierten Wissenschafter der Universitäten von Newcastle und York den Absturz eines Flugzeugs der britischen Gesellschaft British Midland im Jänner 1989.

Fatale Fehler

Während des Fluges hatte es bei der Boing 737-400 Probleme mit dem linken Triebwerk gegeben. Die Crew reagierte aus Versehen mit dem Abschalten der rechten Maschine, was prompt mit einem Nachlassen von Vibrationen und Rauchentwicklung im linken Triebwerk zusammenfiel. Die Crew fühlte sich in ihrer Entscheidung bestätigt. Erst als der linke Motor Schub verlor und Feuer fing, versuchten die Piloten den rechten Motor wieder anzulassen, aber zu spät. Es gab einen Bruchlandung, 44 Menschen starben.

Zu viel Information

Die Wissenschafter bemängeln, dass Piloten während Gefahrensituationen mit technischen Informationen der verschiedenen Systeme regelrecht zugeschüttet werden - unfähig, den Wust an Daten rasch genug zu verarbeiten. Die Piloten beim Unfall 1989 seien außerdem in einem psychischen Phänomen gefangen gewesen, das man "Vorliebe zur Bestätigung" nennen könnte.

Abgehakt

Darunter versteht man selektive Wahrnehmung: Hat man einmal eine Einschätzung der Lage getroffen, sieht man nur noch Daten, welche diese Einschätzung bestätigen. Fakten, die zu anderen Ergebnissen - und möglicherweise zu einer besseren Entscheidung - führen könnten werden dagegen unbewusst unterdrückt oder einfach ignoriert.

Anpassung

Die Experten fordern, dass sich in Zukunft nicht die Piloten durch intensives Training an die jeweiligen Cockpits, sondern dass sich gleichsam die Cockpits an die Datenverarbeitung im menschlichen Gehirn anpassen sollten. Die Bord-Computer sollten dem entscheidenden Menschen beim Auftreten von Problemen auch Lösungsvorschläge und - wenn nötig - Mechanismen zur Aufdeckung von Fehlern anbieten. Heutige Systeme würden dagegen vor allem Rohinformationen anbieten. (APA)

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