Aspirin gegen chronische Blutkrankheit

15. Jänner 2004, 14:17
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Internationale Studie mit österreichischer Beteiligung: Wirksam gegen Herz-Kreislauf-Schäden der Betroffenen

Wien/Linz/Wiener Neustadt/Innsbruck/Boston - 100 Milligramm Acetylsalicylsäure (ASS, der Aspirin-Wirkstoff) pro Tag senkt das Risiko auf Herz-Kreislauf-Schäden von Menschen mit der chronischen Blutkrankheit Polycythämie Vera um rund 60 Prozent. Das hat jetzt eine internationale Forschergruppe mit starker österreichischer Beteiligung herausgefunden. Die wissenschaftliche Arbeit wurde in der neuesten Ausgabe des "New England Journal of Medicine" (8. Jänner) veröffentlicht.

"Die Polycythämie Vera ist eine chronische Erkrankung, bei der durch die vermehrte Bildung von Blut-Vorläuferzellen die Masse der roten Blutkörperchen immer mehr ansteigt", schrieben die Wissenschafter, darunter Dr. Heinz Gisslinger von der Wiener Universitätsklinik sowie weitere Hämatologen aus Wiener Neustadt, Linz und Innsbruck.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Konsequenz aus den zu vielen roten Blutkörperchen bei den Patienten ist eine "Eindickung" des Blutes mit möglichen Thrombosen, Herzinfarkten, Schlaganfällen etc. Dagegen kann eine Chemotherapie helfen, ebenso Venen-Operationen.

Medikamentöse Therapien zur Verhinderung von Thrombosen waren bisher in ihrer Wirkung ungenügend erforscht. Eine Studie mit hoch dosierter Acetylsalicylsäure (900 Milligramm pro Tag) hat vor einiger Zeit vor allem zu typischen Nebenwirkungen - Magen-Darm-Blutungen - geführt.

Studie

Die Wissenschafter - Teilnehmer eines Netzwerkes von 94 hämatologischen Zentren in zwölf Staaten - konzipierten daher eine Studie unter der Verwendung von niedrig dosiertem Aspirin (100 Milligramm pro Tag), wie es zur Verhinderung von erneuten Herzinfarkten von Patienten verwendet wird. Insgesamt wurden 518 Patienten in die Studie aufgenommen, die Hälfte bekam ASS, die andere ein Placebo. Durchschnittlich betrug die Beobachtungszeit drei Jahre.

Die Resultate sprechen für die Verwendung von ASS bei diesen Patienten: Im Vergleich zu der Gruppe von Probanden, welche das Scheinmedikament bekommen hatten, zeigte sich bei der echten Behandlung eine Verringerung des Risikos für einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod durch einen Herz-Kreislauf-Zwischenfall um 59 Prozent. Ein Effekt in dieser Größenordnung wurde auch bei der Häufigkeit von Lungenembolien und Beinvenenthrombosen beobachtet. Insgesamt sank die Sterblichkeit aus allen Todesursachen aber nicht.

Folgerung

Die Wissenschafter plädieren für eine derartige Behandlung: "Niedrig dosierte Acetylsalicylsäure kann thrombotische Komplikationen (...) sicher verhindern." Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass die Patienten für eine solche Therapie auch geeignet wären und kein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen aufwiesen. (APA)

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