Demonstration gegen Budapester Radiosender führt zu Eklat

21. Jänner 2004, 15:30
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Gruppe verbrennt nach Kundgebung israelische Fahne - Protest gegen "christenfeindliche Aussagen" in Radiosendung

Eine Protestkundgebung rechtskonservativer und christlicher Gruppen gegen einen Budapester Radiosender hat am gestrigen Sonntag zu einem Eklat geführt. Nach der Demonstration gegen "christenfeindliche Aussagen" in einer Sendung von Tilos Radio verbrannte eine kleine Gruppe von Demonstranten eine israelische Fahne. Die israelische Botschaft zeigte sich entrüstet über die Aktion, wie ungarische Medien am Montag berichteten. Auch die Organisatoren der Kundgebung distanzierten sich umgehend von den Vorgängen, die mit der Veranstaltung "nichts zu tun".

"Ich würde alle Christen ausrotten"

Die Demonstranten protestierten gegen eine Aussage in einer Sendung des Radiosenders vom 24. Dezember, in der einer der Moderatoren gesagt hatte: "Ich würde alle Christen ausrotten". Obwohl Tilos Radio den Moderator, der an dem Abend außerdem offenbar betrunken war, sofort kündigte und sich von dessen Aussage distanzierte, forderten die rechtskonservative Opposition und verschiedene konservative und rechtsgerichtete Gruppen in den folgenden Wochen den Entzug der Sendelizenz für Tilos Radio.

Kundegebung mit mehreren Tausend Menschen

An der Kundgebung vor dem Gebäude des Privatsenders nahmen mehrere Tausend Menschen Teil. Der den Rechtsextremen nahe stehende Journalist Istvan Lovas sprach auf der Kundgebung von der "Diskriminierung der Mehrheit durch die Minderheit" und forderte "null Toleranz" gegen die "ungarn- und christenfeindliche Minderheit". Tilos Radio sei "der Sender der staatlich unterstützten ungarn- und christenfeindlichen Rassisten". Lovas brachte die Radioanstalt in Zusammenhang mit den mitregierenden liberalen Freidemokraten (SZDSZ), die in rechtsextremen Kreisen als "Judenpartei" gelten.

Agressiv

Zahlreiche Teilnehmer trugen bei der Veranstaltung gelbe Kreuze auf ihrer Kleidung - in Anspielung auf den gelben "Judenstern", mit dem im Nationalsozialismus die Juden gekennzeichnet worden waren. Auch Fahnen mit rot-weißen "Arpad-Streifen", ein Erkennungszeichen der Rechtsextremen in Ungarn, waren zu sehen. Einige Demonstranten zeigten sich außerdem aggressiv gegenüber den anwesenden Journalisten und zerstörten unter anderem die Ausrüstung einer Fotografin der ungarischen Nachrichtenagentur MTI. (APA)

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