Proteste in Mailand wegen "wildem" Streik im Nahverkehr

14. Jänner 2004, 09:25
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Staatsanwaltschaft leitete Untersuchung gegen Streikende ein - Arbeitskampf weitete sich aus

Wegen des Dauerstreiks der Nahverkehrbedienstete ist es am Dienstag in Mailand zu einem weiteren chaotischen Tag gekommen. Trotz der gesetzlichen Diensteinberufung, die der Polizeichef der Stadt Bruno Ferrante beschlossen hatte, um der Stadt die Lahmlegung zu ersparen, weigerten sich die Bediensteten der Mailänder Verkehrsgesellschaft ATM am zweiten Tag in Folge zur Dienstaufnahme. Zu wilden Streiks kam es auch in den lombardischen Städten Bergamo und Monza.

Die Mailänder wurden von Polizei und Fernsehen über den Streik informiert. Einige erzürnte Pendler wollten aus Protest eine U-Bahn-Station am Rande von Mailand besetzen. Die Exekutive musste eingreifen, um Handgreiflichkeiten mit einigen Streikenden zu vermeiden. Schon in den frühen Morgenstunden kam es auf mehreren Hauptachsen der Stadt zu Staus. Nur wenige Busse waren in der italienischen Industriehauptstadt unterwegs.

Untersuchung gegen Streikende

Die Mailänder Staatsanwälte leiteten eine Untersuchung gegen die Streikenden ein, die den Dienst trotz der gesetzlichen Einberufung verweigerten. Die Staatsanwälte sammelten eine Liste der ATM-Bediensteten, die sich dem "wilden" Streik anschlossen.

"Wir sind uns der Risiken bewusst, die wir eingehen. Wir rechnen mit Strafen, doch der Kampf muss fortgesetzt werden", betonte ein Sprecher der Bediensteten. Der Streik richtete sich gegen den Tarifabschluss für die insgesamt rund 100.000 Beschäftigten im italienischen Nahverkehr. Konföderierte Gewerkschaften und Regierung hatten sich vor Weihnachten nach monatelangem Streit auf Gehaltserhöhungen von 81 Euro pro Monat und eine Einmalzahlung von knapp 970 Euro geeinigt, was von den Arbeitnehmern als unannehmbar bezeichnet wurde.

Zum Dialog bereit

Die Verkehrsgesellschaft ATM zeigte sich zum Dialog bereit, setzte jedoch die Rückkehr zur Arbeit als Bedingung für die Fortsetzung der Verhandlungen. Im Kampf um die Gehaltserhöhungen kam es zu einem Bruch zwischen den konföderierten Gewerkschaften, die das Abkommen mit der Regierung unterzeichnet hatten, und einigen autonomen linksorientierten Arbeitnehmerorganisation, die zur Fortsetzung des "wilden" Streiks aufriefen. Die konföderierten Gewerkschaften appellierten, dass die Bediensteten ihrem "verantwortungslosen" Arbeitskampf ein Ende setzen sollen. (APA)

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