Euro hat 1,30 Dollar-Marke im Visier

19. Jänner 2004, 11:38
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Ende des Euro-Höhenflugs nicht in Sicht

Frankfurt - Der Euro hat am Montag seinen Höhenflug fortgesetzt und zum Sprung über die wichtige Marke von 1,30 Dollar angesetzt. Auf Grund der anhaltenden Zweifel vieler Anleger an der Finanzierbarkeit der US-Defizite bei Haushalt und Leistungsbilanz und den schlechter als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag markierte die Gemeinschaftswährung zum Wochenauftakt nach Reuters-Daten mit 1,2898 Dollar ein neues Rekordhoch.

"Der Markt will die 1,30 Dollar sehen, um zu erfahren, ob die EZB dann eingreifen wird", sagte ein Händler. Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei einem Euro-Anstieg über diese Marke interveniert oder ihre Geldpolitik lockert. "Ich rechne allerdings damit, dass die EZB zunächst versuchen wird, den Höhenflug des Euro verbal zu stoppen", fügte der Händler hinzu.

Druck auf EZB wächst

In diesem Zusammenhang warteten Anleger gespannt auf eine Pressekonferenz des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet im Anschluss an ein Treffen führender Notenbanker. Die EZB habe zwar bisher signalisiert, dass von der Euro-Stärke bisher kein steigender Druck ausgehe, die Leitzinsen zu senken, sagte Mitul Kotecha, Leiter des Devisenresearch bei Credit Agricole Indosuez. Je weiter der Euro jedoch zulege, desto größer würden die Spekulationen in diese Richtung. Am Vormittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,2883 Dollar, nach einem Stand von 1,2822 Dollar bei Handelsschluss in New York am Freitag.

Mit Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag sagte Devisenstratege David Simmonds von der Royal Bank of Scotland in Singapur: "Der Arbeitsmarktbericht war ein Schock und wird uns durch die Woche begleiten. Er hat den Zeitpunkt einer möglichen Zinsanhebung der US-Notenbank Fed deutlich nach hinten verschoben." Die Zahl der neu geschaffenen US-Stellen blieb im Dezember mit 1.000 weit hinter der Analystenprognose von 130.000 zurück.

Übereinstimmend sagten Börsianer dem Euro weitere Kursgewinne voraus: "Wir stehen vor einer weiteren Woche mit Dollar-Kursverlusten", sagte Analyst Kotecha weiter. "Ich glaube nicht, dass es irgend etwas gibt, was es aufhalten könnte." Das Analysten-Team der ABN Amro Bank schrieb zu diesem Thema in einem Marktkommentar: "Obwohl die technischen Indikatoren darauf hindeuten, dass der Euro/Dollar überdehnt und eine Korrektur überfällig ist, bleiben die Nachrichten zum Dollar so negativ, dass Anleger jede Euro-Abschwächung zu Käufen nutzen werden." (APA/Reuters)

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