Klein aber oho

22. Februar 2005, 20:09
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Mit Nanotechnologie konnte man letztes Jahr ordentlich Geld verdienen - Herkömmliche Technologiefonds wurden sogar noch outperformt

Unter dem Begriff Nanotechnologie können sich noch die wenigsten Anleger etwas vorstellen. Er umfasst ein weites Spektrum, das vom Energie- über den Technologie- bis hin zu Biotechnologie-Bereich reicht. Generell beschäftigt sich die Nanotechnologie mit der Analyse und Herstellung von kleinsten Strukturen. „Eigentlich gehört das in den Bereich der Materialwissenschaften“, so Thiemo Lang, Fondsmanager des weltweit ersten Investmentfonds auf diesem Gebiet.

Anwendungsbereich schier unbegrenzt

Die Anwendungen der Nanotechnologie sind vielfältig, denn Sie eröffnet die Möglichkeit, elementare Bausteine (Atome, Moleküle) gezielt zu verändern und so die Eigenschaften von Materialien positiv zu beeinflussen.: „Es reicht von kratzfesten Lacken, zu schmutz- und wärmeabweisenden Fenstern, extrem feste Metallen für Militärs, flexible Solarzellen und Displays aller Art, Transistoren für Computer, magnetische Speicher über Schadstofffilterung bis hin zu Mikro-Brennstoffzellen“, so der Experte.

Marktschätzungen aber wenig hilfreich

Vor dem Hintergrund findet es Lang aber wenig hilfreich oder gar irreführend, wenn gewisse Organisationen und Medien sich geradezu überbieten wollen bei der Prognostizierung des sogenannten Nanotech-Marktes. So schätzt etwa die National Science Foundation (USA) den "Nanotech-Markt" im Jahre 2010 auf $1 Billion. “Es gibt jedoch nicht DEN Nanotech-Markt, sondern nur die unterschiedlichsten Teilmärkte mit den unterschiedlichsten Marktdynamiken und Ausprägungen. Darüber hinaus beinhalten diese Zahlen in der Regel den Markt des entsprechenden Endproduktes“, kritisiert der Fondsmanager. Beispiel: Schon heute können gewisse Produkte zum Teil nur noch wegen ihres Nanotechinhaltes verkauft werden - wie die Schreib-/Leseköpfe heutiger Festplattenspeicher.

Activest Nano Tech: Schwere Geburt

Der am 4.11.2002 gestartete Activest Lux Nano Tech musste zunächst aber mit ordentlichem Gegenwind fertig werden: „Der Start war natürlich schwierig, zum Beginn hatten wir nur 300.000 Euro an Fremdgeldern und der Fonds wurde regelrecht durchgefüttert“, verrät Lang. In München war man sich aber der Vorreiterrolle durchaus bewusst und hielt trotz heftiger interner und externer Kritik am Fonds fest. „Nach mittlerweile 14 Monaten stehen wir aber bei 18 Millionen Euro an Fondsvolumen und sind entsprechend froh über unseren mutigen Schritt“, gibt sich Lang erfreut.

Verwaltet wird der Fonds neben dem hauptverantwortlichen Manager Thiemo Lang von drei Technologieanalysten und einem Biotechnologie-Experten. Lang selbst ist ausgebildeter Elektroingenieur und hat auf dem Gebiet der Mikro-Optik promoviert (siehe Lebenslauf unten).

Performance durch stärkeren Fokus verbessert

Das Spezialwissen des Teams hat sich auch bereits in der Performance niedergeschlagen: Seit Auflage im November 2002 konnte man die Benchmark, den MSCI World IT, um 34 Prozent schlagen. Im letzten Jahr etwa erzielte der Activest-Fonds 54 Prozent an Performance, der Index dagegen nur 23. Seit Mitte 2003 zieht die Performance sogar noch weiter an: „Wir sind jetzt fokussierter und investieren stärker in den Bereich der spezialisierten Nanotech-Firmen“, erklärt der Fondsmanager. Die meisten Technologiefonds konnten deswegen seit Auflage auch geschlagen werden.

Die größten Positionen

Aktuell ist Lang zu 72 Prozent im Technologiebereich und zu je sechs Prozent im Energie und Biotech-Sektor investiert. Die größten Positionen sind Veeco Instruments, Weltmarktführer bei hochauflösenden Analysetools, Varian und Applied Film. „Veeco etwa ermöglicht es uns erst in die Welt der Nanotechnologie zu blicken. Ohne deren Vergrößerungstools wäre uns das vorenthalten“, begründet er seine Core-Holding.

2004: "Hier ist noch viel Luft drin"

Aber auch das neue Jahr startet Lang gut: „Bis jetzt haben wir schon 6 Prozent erzielt“, zeigt er sich erfreut. Auch die weiteren Aussichten sind positiv: „Der Sektor ist generell noch nicht teuer“, meint Lang. Auch Hans Leitner, Technologiefondsmanager bei der österreichischen ERSTE Sparinvest ist dieser Meinung: „Hier ist trotz der Anstiege noch viel Luft drin. Bis jetzt ist noch kein großer Investor auf den Zug aufgesprungen“, prognostiziert er.

Datenquelle: Lipper / Performancezahlen per 7.1.2003

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