Polizei erschoss Verwirrten

13. Jänner 2004, 15:06
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35-Jähriger ging in Wien nach Amokfahrt mit Messer auf Beamte los

Wien - Mit einem Erschossenen endete in der Nacht zum Montag ein Polizeieinsatz in der Wiener Innenstadt. Der 35-jährige, offenbar geistig verwirrte Lkw-Fahrer starb nach einer Amokfahrt mit seinem Laster, als er mit einem Küchenmesser auf einen Beamten losging.

Das Drama um den Vater eines vierjährigen Sohnes hatte am Sonntag gegen 22 Uhr im Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus begonnen. Der Milchlieferant war nach seiner Tour kurz nach Hause gekommen und hatte seiner Frau erklärt, er werde verfolgt. Er nahm sich ein 26 Zentimeter langes Küchenmesser sowie ein Plüschtier seines Kindes und verließ die Wohnung.

Unfälle verursacht

Anschließend bestieg er seinen Lkw und fuhr durch halb Wien, wobei er zwei Unfälle verursachte. Am Josefsplatz in der Innenstadt wurde er schließlich von der Polizei gestoppt, berichtet Ernst Geiger von der Kriminaldirektion 1. "Er hat allerdings nicht reagiert, blieb im Führerhaus und bedrohte die Beamten mit dem Messer", erklärt Geiger.

Zunächst versprühten die Polizisten Pfefferspray in der Kabine und zertrümmerten die Windschutzscheibe des Lasters, um den 35-Jährigen an der Weiterfahrt zu hindern. Plötzlich stieg der Mann, der schon länger an Wahnvorstellungen gelitten haben soll, aus und rannte mit gezücktem Messer auf einen Beamten zu. Dieser gab einen Warnschuss in einen Schneehaufen ab.

Was dann genau geschah, wird der Staatsanwalt zu klären haben. Möglicherweise wollte das Opfer nach dem Schuss flüchten, laut Kriminalist Geigers Schilderung preschte er mit erhobenem Messer in einen Durchgang. Dort stand jedoch ein Funkstreifenbeamter. Bevor der 35-Jährige zustechen konnte, schoss ihm ein dritter Polizist von hinten in den Hüftbereich und traf ihn tödlich. Für Geiger ein "tragischer Fall von Nothilfe", da der Tote ja "nicht kriminell war". (moe, Der Standard, Printausgabe, 13.01.2004)

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