Keine Panikmache

19. Jänner 2004, 11:38
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Deutscher Industriechef: "Entwicklung des Welthandels wichtiger für deutsche Konjunktur als Dollar-Kurs"

Berlin - Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, und Bundesbank-Vorstandsmitglied Hermann Remsperger haben den starken Euro als noch nicht gefährlich für das deutsche Wirtschaftswachstum bezeichnet.

Eine dauerhafte Aufwertung des Euro um zehn Prozent führe erwartungsgemäß zu einer Verringerung der Exporte um rund ein Prozent, sagte Rogowski in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe). Es deute einiges darauf hin, dass der Wechselkurs noch weiter steigen könnte. Das sei zwar gravierend. "Aber ich warne vor Panikmache. Denn der Großteil unserer Exporte geht in den Euroraum, und da gibt es kein Wechselkursrisiko mehr."

Welthandel wichtiger

Remsperger sagte im DeutschlandRadio nach Angaben des Senders, nach den Untersuchungen der Bundesbank sei die Entwicklung des Welthandels wichtiger für die deutsche Konjunktur als der Dollar-Kurs. 43 Prozent der deutschen Exporte seien nicht vom hohen Dollar-Kurs betroffen. Zudem wirkten billigere Importe ausgleichend. Auf die Frage, ob die Bundesbank Dollar-Verkäufe plane, um die US-Währung zu unterstützen, habe Remsperger mit dem Hinweis geantwortet, das Euro-System habe kein Wechselkurs-Ziel, sondern das Ziel der Preisstabilität.

Der starke Euro sei kein Grund, die Wachstumsprognosen für das laufende Jahr zu ändern, sagte Rogowski weiter. "Ich gehe von einem Wachstum von bis zu zwei Prozent aus. Daran wird auch ein starker Euro nichts ändern." Er habe sogar die Hoffnung, "dass es am Ende besser aussieht als wir glauben". Die deutsche Regierung geht von einem Wachstum zwischen 1,5 und zwei Prozent aus.

Es wird eng

Rogowski sagte, sollte der Wechselkurs auch im kommenden Jahr auf dem hohen Niveau bleiben oder noch steigen, werde es aber eng. Gehe die Kursentwicklung so weiter, schließe er auch eine Senkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) nicht aus. "Ich kann mir vorstellen, dass die Leitzinsen in einigen Monaten um einen Viertel bis einen halben Punkt herunter gehen." Der Leitzins beträgt derzeit 2,0 Prozent. Remsperger sagte, für eine Zinsentscheidung spiele der Wechselkurs zwar eine Rolle, aber keine ausschlaggebende.

Der Euro war am Freitag nach schwächer als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten auf ein neues Rekordhoch von 1,2852 Dollar gestiegen. Am Sonntag Mittag notierte er bei Kursen um 1,2765 Dollar.(APA/Reuters)

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