Millionen für Millionstelmillimeter

18. Jänner 2004, 20:10
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Österreichs Nano-Initiative nach zwei Jahren endlich in den Startlöchern

Seid umschlungen Millionen, könnten japanische oder amerikanische Forscher, die im Bereich der Nanotechnologie arbeiten, rufen: Da wie dort werden große Summen von der öffentlichen Hand in die zukunftsorientierte Schlüsseltechnologie investiert, in der es um die Herstellung von Materialien und Systemen in Dimensionen von einem Millionstelmillimeter geht. 800 Millionen Euro waren es 2003 allein in Japan, 770 in den USA, aber auch im EU-Raum wurde viel Geld flüssig gemacht: 700 Millionen. Immerhin 250 davon in Deutschland, weshalb der nördliche Nachbar auch zu den Spitzenförderern weltweit zählt.

In Österreich sind die Uhren bisher langsamer gegangen: Zwar hat der Rat für Forschung und Technologieentwicklung schon 2002 empfohlen, die Nanotechnologie gezielt zu fördern, die Österreichische Nano-Initiative steht aber erst jetzt vor ihrem Start. Einer der Gründe: die doch häufigen Ministerwechsel im dafür zuständigen Infrastrukturministerium. Aber immerhin: Für 2004 sind mehr als elf Millionen Euro veranschlagt.

Emmanuel Glenck und Margit Haas, die in der Austrian Space Agency (ASA) die Initiative abwickeln, glauben, dass damit der Nanotech-Zug gerade noch erreicht wird. "Wir sind jedenfalls nicht zu früh dran." In der ersten Phase der Initiative von 2004 bis 2006 wird es thematisch offene Ausschreibungen geben. Vier Programmrichtlinien wurden festgelegt: Gefördert werden so genannte Verbundprojekte, die die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stärken. Großes Interesse hat man auch an der Bildung und Stärkung von Netzwerken unter den Nanotechnologie-Forschern und -Unternehmen. Der dritte große Bereich gilt der Aus- und Weiterbildung. Dabei sollen Kurse und Lehrgänge eingerichtet und unterstützt werden, die Forscher und Mitarbeiter von Unternehmen fit für Nano machen. Ein bereits existierendes Beispiel: der Universitätslehrgang Nanotechnologie und Nanoanalytik an der TU in Graz. Schließlich will man auch in Markt- und Machbarkeitsstudien einen Teil des zur Verfügung stehenden Geldes investieren.

Auch dem Wirtschaftsministerium ist offenbar die Wichtigkeit des zukunftsweisenden Themas bewusst. So werden (mit dem Hintergrund, regionale Netzwerke zu etablieren) drei bereits vorliegende Anträge im BMWA behandelt: Einer kommt aus der Steiermark (Nanonet Styria), einer aus Wien und Niederösterreich (Micro@Nanofabrication Austria) und einer aus Tirol (Innsbrucker Nano Netzwerk). Insgesamt zwei Millionen Euro sollen dafür lockergemacht werden. (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 1. 2004)

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