Der kleine blaue Trumpf

20. Jänner 2004, 19:17
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Die FPÖ lässt ihren Koalitionspartner zappeln befindet Eva Linsinger in ihrem Kommentar

Die FPÖ lässt ihren Koalitionspartner zappeln. Noch verrät sie nicht, ob sie einen eigenen Kandidaten bei der Bundespräsidentschaftswahl aufstellt - und damit die Wahlchancen von Benita Ferrero-Waldner um die vielleicht entscheidenden paar Prozent schmälert, die für den Sieg notwendig wären. Erst nach der Kärntner Wahl wollen die Blauen ihr Ja oder Nein zur Kandidatur aussprechen - um wenigstens einen kleinen Trumpf in der Hand zu haben, wenn die Entscheidung der ÖVP zur Kür des Kärntner Landeshauptmanns ansteht.

Abgesehen von dieser kleinen Bösartigkeit aber hat sich Jörg Haider bei seiner Wahlkampfauftaktsrede erstaunlich zahm gegenüber der ÖVP benommen. Nur ein paar kleine Seitenhiebe, aber keine scharfen Attacken auf den Koalitionspartner - so gut ist Bundeskanzler Wolfgang Schüssel schon lange bei keinem FPÖ-Parteitag mehr weg gekommen.

Kein Wunder: Mit dem raschen Abschluss und vor allem mit den Details der Steuerreform hat die ÖVP Jörg Haider ein schönes Wahlzuckerl in die Hand gedrückt. Immer und immer wieder konnte sich Haider am Sonntag in Kärnten rühmen, nach dem Kinderscheck bei der letzten Wahl nun die steuerliche Begünstigung von Familien erreicht zu haben, und sich so als der Robin Hood für Familien präsentieren. Wen kratzt es dabei schon, dass eigentlich gar nicht Familien steuerlich begünstigt werden - sondern Hausfrauen. Werden doch die Steuergeschenke nur an Alleinverdiener verteilt - wenn beide Eltern berufstätig sind, gibt es keine Steuerzuckerl.

So genau wird es die FPÖ aber bei ihrem Selbstlob als Familienpartei nicht nehmen. Hauptsache, sie kann nach den Streitereien der vergangenen Monate wenigstens irgendein Erfolgserlebnis und irgendeine gute Nachricht präsentieren.

(DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2004)

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