Weltweite Schatzsuche

13. Jänner 2004, 18:49
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In der Karibik, in Südamerika, in Asien und im Vatikan wird in über 100 Offshore-Gesellschaften nach den verschwundenen Milliarden von Parmalat gesucht

Der Milliardenschwindel des italienischen Milchkonzerns Parmalat wurde über ein weit verzweigtes Netz von rund 100 Offshore-Gesellschaften in europäischen und außereuropäischen Finanzparadiesen ermöglicht. Sie alle könnten den Milliardenschatz von Unternehmensgründer Calisto Tanzi verbergen, heißt es in Mailänder Gerichtskreisen. Doch angeblich kooperieren die Steuerparadiese bereits mit der italienischen Justiz. Die Cayman-Inseln haben bereits Details der acht dort ansässigen Tanzi-Gesellschaften bekannt gegeben. Inzwischen wurden Privatkonten von einigen der neun inhaftierten Parmalat-Manager mit angeblich mehreren Millionen Euro beschlagnahmt.

Einige italienische Großbanken wollen ihre geprellten Kleinsparer, die Parmalat-Anleihen erwarben, entschädigen. Die geplante Wiedergutmachung von Banca Capitalia, Banca Intesa, Unicredito und Monte dei Paschi di Siena ist ein Signal, dass die Kreditinstitute ihr angeschlagenes Image aufpolieren wollen.

Sündenbock

Allein die römische Banca Capitalia wird der Schadenersatz 50 bis 60 Mio. Euro kosten. Die Bank gilt als eigentlicher Sündenbock. Sie ist mit Krediten von 393 Mio. Euro nicht nur der größte italienische Gläubiger des Milchkonzerns - Calisto Tanzi war bis vor kurzem auch im Aufsichtsrat der Bank präsent, die für ihn auch einige fragwürdige Operationen einfädelte. So hat Parmalat 1999 unter Regie der viertgrößten Bank Italiens vom inzwischen Pleite gegangenen Konkurrenten Cirio für den überzogenen Preis von 170 Mio. Euro den Milchvermarkter Eurolat übernommen. Eurolat hat nie Gewinne erzielt und meldete nun Konkurs an. Im Gegenzug dafür hatte Cirio dem Parmalat-Präsidenten bei den wirtschaftlichen Problemen seines Fußballklubs AC Parma geholfen und ihm zwei der Topstars des Cirio-Fußballvereins Lazio Rom überlassen. Bankpräsident Cesare Geronzi soll am Dienstag von den Mailänder Untersuchungsrichtern verhört werden. Gegen ihn wurden bereits wegen des Cirio-Skandals Ermittlungen eingeleitet. Auch sollen die Manager der Deutschen Bank nochmals vernommen werden.

Ermittlungen

Im Visier der Mailänder Untersuchungsrichter befindet sich auch die Bank of America, die größte Gläubigerbank von Parmalat. Nach dem Verhör des Bankmanagers Luis Moncada werden nun 13 wenig transparente Banktransaktionen untersucht.

Die Ermittlungen um die Hintergründe des Parmalat-Skandals laufen auf Hochtouren. So sollen in dieser Woche Exfinanzchef Fausto Tonna und Unternehmensgründer Tanzi nochmals verhört werden. Auch die Tanzi-Kinder Francesca und Stefano wurden vor Gericht geladen. Francesca ist Chefin der konkursreifen Reiseagentur Parmatour mit angeblichen Schulden von 2,5 Milliarden Euro.

Die Parmatour-Luftflotte diente in den letzten Jahren auch als Charterunternehmen für hochrangige Politiker und Prälaten. Sie soll insbesondere von Angehörigen des Vatikans häufig benutzt worden sein. Die "Flieger Gottes" beförderten u. a. auch Kardinal Agostino Casaroli. Der superkatholische Exkonzernchef Tanzi erhoffte sich dadurch Gunsterweisungen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, Der Standard, Printausgabe, 12.01.2004)

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    Die Ermittler sind seit dem Auffliegen des Parmalatskandals auf der Suche nach dem verschwundenen Schatz

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