Verdacht auf Preisabsprachen

12. Jänner 2004, 16:46
posten

Post- und Paketdienste verlangen "stolzen" Mautaufschlag

Wien - Zehn bis elf Cent mehr kostet das Verschicken eines Paketes oder Expressbriefes durch einen Kurier-Expressdienst seit Jahresanfang, die staatliche Post schlägt gar zwölf Cent auf. Arbeiterkammer und Grüne wittern Preisabsprachen der Anbieter und ein saftiges Körberlgeld, das sich die Paketzusteller im Windschatten der Lkw-Maut machen.

Für beide Vorwürfe lassen sich Indizien finden, ebenso für die Notwendigkeit der Preisaufschläge:

  • Auffällig ist der einheitliche Aufschlag, den fast alle Anbieter anwenden. Er basiert auf einem Gutachten von WU-Professor Sebastian Kummer im Auftrag des KEP-Forums, des Interessenforums der österreichischen Kurier-, Express- und Paketdienste. DHL, DPD, Generalparcel, TNT, Transoflex, UPS, Quickstep und die Österreichische Post AG sind Mitglieder des Forums.

  • Das Kummer-Gutachten empfiehlt den Privaten einen Mautaufschlag von 10,85 Cent pro Paket bzw. Expressbrief, der Post 12,12 Cent.

  • Da mangels Erfahrungswerten niemand die tatsächlichen mautbedingten Mehrkosten genau weiß, basieren Kummers Berechnungen auf Mischkalkulationen, die aus Entfernung, Gewicht, Lkw-Auslastung, Leerfahrten und Anteil an mautpflichtigen Streckenermittelt wurden.

  • Der Haken daran: Die Modellrechnung lässt jene Steuern und Abgaben unberücksichtigt, die mit Einführung der Maut gesenkt bzw. abgeschafft wurden: Die Kfz-Steuer wurde auf das 2000er-Niveau gesenkt (macht 60 Mio. Euro), die Straßenbenützungsabgabe für Lkw über zwölf Tonnen (knapp 80 Mio. €), die Vignette für Lkw bis zwölf Tonnen (75 Mio. €). Da ausländische Lkw heuer laut Asfinag rund 140 Mio. an Maut zahlen, beträgt die mautbedingte Mehrbelastung der inländischen Lkw statt jährlich 600 Mio. nur 260 bis 280 Mio. €. Also müsste auch der Mautaufschlag geringer sein.

    Nicht inkludiert in Kummers KEP-Gutachten ist übrigens die Erhöhung der Mineralölsteuer von 0,035 Cent; diese hat mit der Maut jedoch nichts zu tun.

  • Auffällig ist die Annahme des Gutachters, dass 90 Prozent der von den KEP-Firmen eingesetzten Lkw nicht nur den höchsten Mautsatz (27,3 Cent) zahlen müssen, sondern praktisch alle Kilometer auf Autobahnen fahren. Der Rest wird mit dem niedrigsten Mautsatz von 13 Cent angenommen. Ohne Maut kommen demnach nur die Kleinlaster für Abholung und Zustellung aus.

  • Der Sukkus: Die Lkw-Maut führt direkt und indirekt zur Erhöhung der Transportkosten. Da die Kunden ihre Pakete möglichst früh morgens zugestellt und abends so spät wie möglich abgeholt haben wollen, seien die Lkw in der Praxis nur zu rund 50 bis 85 Prozent auslastbar, eine Verringerung der Leerfahrten kaum möglich. Zudem müsse die Maut vorfinanziert werden, was ein Delkredere-Risiko darstelle und Transaktions- wie Controllingkosten verursache, die zusätzlich mit 4,6 Cent zu Buche schlagen.

  • Ein "Sonderfall" ist laut Gutachten die gelbe Post: Deren Transporte zwischen Postämtern und Verteilzentren seien teurer als jene privater KEP-Firmen, dafür transportiere sie größere Mengen. "Hauptschuld" am höheren Mautaufschlag sei, dass die Post nicht MwSt.-abzugsberechtigt sei.
(Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 12.01.2004)
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