"Hat für uns nicht oberste Priorität"

14. Jänner 2004, 13:40
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Ursula Haubner, geschäftsführende FP-Chefin, hält im STANDARD-Interview die Bundespräsidenten- wahl für nicht vorrangig

STANDARD: Hat sich die FPÖ nun entschlossen, mit einem eigenen Kandidaten oder einer Kandidatin in das Rennen um die Hofburg zu gehen?

Haubner: Wir haben im Parteivorstand in Klagenfurt darüber diskutiert und festgestellt, dass die Bundespräsidentenwahl für uns nicht oberste Priorität hat. In erster Linie sind die Kärntner und die Salzburger Landtagswahl für uns wichtig, auch die Arbeiterkammer-Wahlen. Wir schauen uns die Kandidaten jetzt erst einmal an. Bis jetzt wissen wir ja nur von der SPÖ, dass es einen Kandidaten gibt.

STANDARD: Bei der ÖVP will Außenministerin Benita Ferrero-Waldner für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren.

Haubner: Wir werden sehen, ob sie nächste Woche von der ÖVP nominiert wird. Wir schauen uns die Amtsvorstellungen der Kandidaten genau an, und wir überlegen weiter, ob wir einen eigenen Kandidaten aufstellen.

STANDARD: Wie lange will die FPÖ noch überlegen?

Haubner: Es ist ja noch Zeit - bis zum 23. März. Deshalb haben wir hier keine Eile. Für uns, wie gesagt, sind jetzt die Landtagswahlen wichtig und die Umsetzung der Steuerreform.

STANDARD: Ein eigener Kandidat der Freiheitlichen würde die ÖVP irritieren. Geht es nicht viel mehr auch darum, Druck zu machen - etwa auch für eine Wiederwahl Jörg Haiders als Kärntner Landeshauptmann?

Haubner: Da geht's nicht um Irritation. Jede Wahl - und im Besonderen die Bundespräsidentenwahl - ist für Österreich und die Menschen in diesem Land wichtig. Und wenn keiner der Kandidaten unseren Vorstellungen entspricht, dann haben wir genug Persönlichkeiten, die auch zur Verfügung stehen würden - auch überparteiliche Kandidaten.

STANDARD: Wer könnte das sein?

Haubner: Wir werden das sicher nicht über die Medien sagen. Da bitte ich um Verständnis. Aber dass wir intern natürlich über verschiedene Leute diskutieren, ist auch klar.

STANDARD: Könnten Sie sich vorstellen, selbst als Kandidatin für die Hofburg zur Verfügung zu stehen?

Haubner: Ich hab' schon so viele Funktionen in dieser Partei gehabt, und jede einzelne hab' ich mit vollster Überzeugung gemacht. Aber Bundespräsidentin ist nicht in meiner Lebensplanung inbegriffen.

STANDARD:Bleibt die "flat tax" nach der zweiten Etappe der Steuerreform ein Ziel für die FPÖ?

Haubner: Natürlich ist die "flat tax" für uns nicht gestorben. Die jetzt beschlossene Reform ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

STANDARD:Für die Opposition ist die Steuerreform eine Bankrotterklärung, sie komme zu spät und sei unwirksam.

Haubner: Die Opposition ist überrascht, dass wir so schnell ein so großartiges Ergebnis präsentieren konnten. Und es fehlen ihr die Argumente. Vor allem, wenn Grünen-Chef Van der Bellen sagt, die Regierung schenkt Geld her, das sie nicht hat. Dieses Geld, das den Menschen zugute kommt - den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, den Pensionisten, den Familien -, ist die beste Investition.

STANDARD: Wird mit der Entlastung der Alleinverdiener nicht ein konservatives Familienmodell gefördert?

Haubner: Diese Diskussion hatten wir bereits beim Kinderscheck. Da hat es geheißen, die Regierung schickt die Frauen zurück an den Herd. Ich weiß, wie dankbar heute viele Eltern sind, dass sie dadurch ein zusätzliches Einkommen haben und trotzdem beide die Möglichkeit haben, berufstätig zu sein.

(DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2004)

Mit Ursula Haubner sprach Elisabeth Steiner.

ZUR PERSON

Ursula Haubner (58) ist seit Februar 2003 Sozialstaatsse- kretärin, im Oktober wurde sie FP-Parteichef Herbert Haupt als geschäftsführende Bundes- parteiobfrau zur Seite gestellt.

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    Ursula Haubner will bis Mitte März über einen eigenen Kandidaten der FPÖ nachdenken

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