"Man regiert nicht mit den Muskeln, sondern mit dem Gehirn"

12. Jänner 2004, 11:23
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Finis Verbalattacken gegen Bossi - Vizepremier drängt Berlusconi auf Regierungsumbildung: "Lega Nord in Schranken halten"

Rom - Der italienische Vizepremier und Chef der rechten Regierungspartei Alleanza Nazionale (AN), Gianfranco Fini, hat mit einem Appell auf eine Umbildung des Kabinetts Berlusconi für Eklat gesorgt. Bei einer Parteiversammlung in Rom forderte Fini Regierungschef Silvio Berlusconi am Wochenende auf, die rechtspopulistische Regierungspartei in Schranken zu weisen und für mehr Ausgewogenheit in der Mitte-Rechts-Koalition zu sorgen, die seit Juni 2001 Italien regiert. "Es ist richtig, eine Bilanz zu ziehen und zu überprüfen, was die Verbündeten tun wollen. In dieser Phase ist dies ein notwendiger Schritt", sagte der 51-jährige Fini in einer langen Rede vor den Dirigenten seiner Partei.

Fini: "Die Vorschläge der Lega Nord fügen Koalition schwer abschätzbare Schäden zu"

Fini sparte nicht mit Attacken gegen den Lega Nord-Chef Umberto Bossi. "Man regiert nicht mit den Muskeln, sondern mit dem Gehirn", meinte der Vizepremier. Er warnte vor den verheerenden Effekten "einiger extremistischer Vorschläge" der rechtspopulistischen Partei auf die gemäßigte Wählerschaft. "Die Vorschläge der Lega Nord fügen der Koalition schwer abschätzbare Schäden zu, vor allem in den süditalienischen Regionen", sagte Fini.

"Regionaler Egoismus" des Wirtschaftsministers

Der Vizepremier setzte auch den Wirtschaftsminister der Berlusconi-Partei Forza Italia, Giulio Tremonti, unter Druck und warf ihm "regionalen Egoismus" vor. Mit seiner Politik begünstige der Lombarde Tremonti vor allem die Regionen Norditaliens auf Kosten des ärmeren Südens. Dabei sei ein stärkerer Einsatz für den "Mezzogiorno" eine unentbehrliche Bedingung für die wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Landes.

Bossi reagierte erneut mit Austritt aus Koalition

Finis Worte lösten die empörte Reaktion Bossis aus, der erneut mit einem Austritt der Lega Nord aus der Vier-Parteien-Koalition unter Berlusconis Führung drohte. Der Lega-Chef bemängelte, dass die Regierungskoalition noch nicht die föderalistische Reform durchgesetzt habe, wie im 2001 abgeschlossenen Wahlpakt vereinbart worden war. Bossi warf Fini vor, der Lega gegenüber unfair zu sein. "Diese Situation könnte in Kürze zum Austritt der Lega Nord aus der Regierungskoalition führen", sagte Bossi.

Fini als Reformbremser beschuldigt

Die Lega Nord beschuldigt Fini, entscheidende Reformen wie die Föderalisierung des Landes zu bremsen. Die Föderalisierung des stark zentralistisch orientierten Italiens ist der Eckpfeiler im Programm der Lega Nord, die in den 80er Jahren unter Bossis Leitung als kleine autonomistisch - später offen separatistisch - gesinnte Partei entstanden war und im Frühjahr 2001 Berlusconis Mitte-Rechts-Allianz beigetreten ist. (APA)

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    Zwei, die sich spinnefeind sind: Bossi und Fini

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