Hundertstel-Sekunden-Krimi an Bode Miller

14. Jänner 2004, 12:18
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Chamonix: Raich in Kombi um drei, Kjus um sechs Hundertstel geschlagen - Rainer Schönfelder nach Führung im Slalom nur Vierter, Sieg an Rocca

Chamonix - Der Regen-Slalom in Chamonix hat für einen Umsturz im Herren-Weltcup gesorgt. Der Italiener Giorgio Rocca gewann vor Pierrick Bourgeat (FRA) und Bode Miller. Mit Platz 28 sicherte sich der Norweger Lasse Kjus aber hinter Miller und Benni Raich Platz drei in der Kombinationswertung und damit die hauchdünne Führung im Weltcup, nur einen Punkt vor Raich. Der Tiroler fiel im Slalom auf Platz 18. zurück und verspielte damit die erstmalige Übernahme der Gesamtführung. Bester ÖSV-Fahrer im Slalom war Rainer Schönfelder als Vierter.

Kjus im Gesamt-Weltcup top

Hermann Maier ist nach dem Chamonix-Wochenende im Weltcup nur noch Dritter. Allerdings lediglich 26 Punkte hinter Kjus und die "Jännerrallye" im Weltcup geht schon am Freitag in Wengen weiter. Der Norweger hat sich als Abfahrts-Zweiter und Kombi-Dritter wenige Tage vor seinem 33. Geburtstag aber als derzeit härtester Konkurrent der Österreicher bestätigt. Im Weltcup führt er nun mit 581 Zählern vor Raich (580) und Maier (555).

Wertvolles Telefonat mit Alberto Tomba

Der brutale Kampf um Punkte war aber keine Ausrede dafür, dass Österreichs Slalomherren erstmals in dieser Saison ohne Podestplatz blieben. Bei Regen und auf weicher Piste verspielten im zweiten Durchgang sowohl der führende Schönfelder als auch Pranger und Raich ihre Chancen. Auf der aufgeweichten "Bobbahn" fiel Schönfelder auf Platz vier zurück, Pranger von drei auf sechs und Raich von sechs gar auf 18. Rocca fuhr hingegen von Platz vier zu seinem dritten Slalom-Sieg. Und das nach einem Halbzeit-Telefonat mit Alberto Tomba.

Raich verwundert

"Nach meinen Ausfällen zuletzt war es wichtig, wieder mal im Ziel zu sein. Platz vier ist besser als gar nichts", sah es der mit einem dicken Pflaster an der Stirn angetretene Schönfelder pragmatisch. Pranger ärgerte der Verlust der Weltcupführung im Slalom an Rocca doch etwas. "Der Regen war für alle gleich. Ich habe leider die Spuren nicht so getroffen. Das war heute ein Schritt nach hinten", so der Tiroler. Und Raich rätselte, wollte er doch nicht auf Kombipunkte sondern auf einen Slalom-Spitzenplatz fahren: "Der Rückfall wundert mich schon, denn ich habe ziemlich Gas gegeben."

Hochspannung in der Kombi

Zum heimlichen Sieger in Chamonix avancierte die schon so oft totgesagte Kombination und mit ihr Bode Miller. Der US-Star feierte eine Art Wiederauferstehung, gewann die Kombi dank Platz drei im Slalom 0,03 Sekunden vor Raich und 0,06 vor Kjus. So spannend und knapp hat in dieser Saison noch kein Bewerb bei den Herren geendet.

Eberharter out

Der in der Abfahrt leer ausgegangene Miller war mit 160 Punkten damit einer der Wochenend-Sieger. Nach fünf Ausfällen kam er im Slalom erstmals wieder durch, sein übliches Hoppala passierte diesmal wenige Zentimeter vor der Ziellinie, als er nach einem Verschneider eine Pirouette einleitete. Nur für Abfahrtssieger Stephan Eberharter hat sich das Slalom-Abenteuer nicht ausgezahlt, der Tiroler schied im zweiten Durchgang aus.

Abenteuer für Maier

Dafür gab sich Hermann Maier am Fuße des Montblanc gut gelaunt. Mit "Pudelhaube" holte er als 13. der Kombiwertung 20 Weltcuppunkte, die vielleicht noch wichtig werden könnten. "Ich hab die Kombi zwar nur so mitgenommen, im zweiten Durchgang hat's aber richtig Spaß gemacht. Es war ein richtiges Regen-Derby, ein Abenteuer", sagte Maier. (APA/red)

Endklassement der Kombination am Sonntag in Chamonix:

 1. Bode Miller (USA)       3:30,91
 2. Benjamin Raich (AUT)     + 0,03 
 3. Lasse Kjus (NOR)         + 0,06 
 4. Pierrick Bourgeat (FRA)  + 0,55 
 5. Aksel Lund Svindal (NOR) + 1,48 
 6. Andrej Sporn (SLO)       + 3,26 
 7. Markus Larsson (SWE)     + 3,30 
 8. Michael Walchhofer (AUT) + 3,35 
 9. Silvan Zurbriggen (SUI)  + 3,94 
10. Johan Brolenius (SWE)    + 3,95 
11. Christoph Gruber (AUT)   + 5,28 
12. Didier Cuche (SUI)       + 7,17 
13. Hermann Maier (AUT)      + 9,41 

Ausgeschieden im 2. Slalom-Durchgang: Stephan Eberharter (AUT)

Endklassement des Slaloms:

 1. Giorgio Rocca (ITA)    1:29,09        
 2. Pierrick Bourgeat (FRA) + 0,08 
 3. Bode Miller (USA)       + 0,43 
 4. Rainer Schönfelder (AUT)+ 0,49 
 5. Jean-Pierre Vidal (FRA) + 0,73 
 6. Manfred Pranger (AUT)   + 0,74 
 7. Heinz Schilchegger (AUT)+ 1,01 
 8. Markus Larsson (SWE)    + 1,08 
 9. Akira Sasaki (JPN)      + 1,18 
10. Kilian Albrecht (AUT)   + 1,24 
11. Sebastien Amiez (FRA)   + 1,27 
12. Mario Matt (AUT)        + 1,29
13. Martin Marinac (AUT)    + 1,35 
14. Johan Brolenius (SWE)   + 1,38 
  . Manfred Mölgg (ITA)     + 1,38 
16. Kalle Palander (FIN)    + 1,39 
  . Thomas Grandi (CAN)     + 1,39 
18. Benjamin Raich (AUT)    + 1,40 

Disqualifiziert: Didier Defago (SUI)

Zweiter Durchgang:
1. Martin Marinac (AUT) 44,14 2. Andrej Sporn (SLO) 44,18 +0,04 3. Jean-Pierre Vidal (FRA) 44,25 +0,11 4. Aksel Lund Svindal (NOR) 44,42 +0,28 5. Bode Miller (USA) 44,44 +0,30 6. Akira Sasaki (JPN) 44,47 +0,33 . Markus Larsson (SWE) 44,47 +0,33 8. Mitja Kunc (SLO) 44,53 +0,39 9. Jukka Leino (FIN) 44,65 +0,51 10. Thomas Grandi (CAN) 44,67 +0,53 weiter: 13. Mario Matt (AUT) 44,74 +0,60 22. Heinz Schilchegger (AUT) 45,23 +1,09 23. Kilian Albrecht (AUT) 45,35 +1,21 25. Rainer Schönfelder (AUT) 45,78 +1,64 26. Manfred Pranger (AUT) 45,83 +1,69 27. Benjamin Raich (AUT) 45,89 +1,75

Ausgeschieden: Tom Stiansen (NOR)

Erster Durchgang:
1. Rainer Schönfelder (AUT) 43,80 2. Kalle Palander (FIN) +0,14 3. Manfred Pranger (AUT) +0,20 4. Giorgio Rocca (ITA) +0,53 5. Pierrick Bourgeat (FRA) +0,56 6. Benjamin Raich (AUT) +0,80 7. Tom Stiansen (NOR) +1,00 8. Heinz Schilchegger (AUT) +1,07 9. Kilian Albrecht (AUT) +1,18 10. Bode Miller (USA) +1,28 weiter: 17. Mario Matt (AUT) +1,84 23. Martin Marinac (AUT) +2,50

Ausgeschieden u.a.: Alois Vogl (GER) , Bruno Kernen (SUI), Drago Grubelnik (SLO) , Giancarlo Bergamelli (ITA) , Patrick Thaler (ITA) , Truls Ove Karlsen (NOR)

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    Bestechende Fahrten von Giorgio Rocca in beiden Durchgängen und damit Platz eins im Chamonix-Slalom.

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    Bode Miller gewann etwas überraschend die Kombination.

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