Namibia: Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Herero-Aufstands

14. Jänner 2004, 21:23
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"Tiefes Bedauern" über Vernichtungsfeldzug deutscher Kolonialtruppen - Formelle Entschuldigung und Entschädigung seitens Deutschland abgelehnt

Windhuk - In Namibia haben am Sonntagmorgen die Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Herero-Aufstands gegen die frühere deutsche Kolonialregierung begonnen. In Okahandja außerhalb der Hauptstadt Windhuk war mit Ausnahme des deutschen Botschafters sowie zweier namibischer Regionalräte kein Regierungsvertreter präsent. Der Gedenktag wird begleitet von Geschichtsdebatten und Reparationsforderungen der Herero.

Botschafter drückt Bedauern Deutschlands aus

Der deutsche Botschafter in Namibia, Wolfgang Massing, hat das tiefe Bedauern seiner Regierung für die brutale Niederschlagung des Herero-Aufstandes durch die deutsche Kolonialmacht vor hundert Jahren ausgedrückt. Die Geschichte könne nicht geändert werden, aber den Opfern und ihren Nachkommen könne die Würde und Ehre, derer sie beraubt wurden, zurückgegeben werden, sagte Massing während einer Gedenkzeremonie am Sonntag im namibischen Okahandja. Die Bundesregierung bedauere diese unglückliche Vergangenheit zutiefst, sagte Massing, der als ranghöchster Vertreter Deutschlands an der Zeremonie teilnahm. Unter den 600 Teilnehmern der Gedenkfeier waren überwiegend Angehörige des Herero-Volkes.

Genozid

Die Zeremonie in der früheren Herero-Hauptstadt Okahandja bildete den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, mit denen in den kommenden drei Jahren an die Vernichtung großer Teile des Herero-Volkes durch die deutsche Kolonialmacht zwischen 1904 und 1907 erinnert werden soll. Der Aufstand hatte am 12. Januar 1904 gegen die deutschen Siedler begonnen, denen sie Landraub und Unterdrückung vorwarfen. Historiker gehen davon aus, dass dem deutschen Feldzug mindestens 60.000 Herero, drei Viertel der Volkszugehörigen, zum Opfer fielen.

Herero-Chef Kuaima Riruako sagte in seiner Ansprache, die "Wunden der Vergangenheit" müssten "geheilt" werden. "Unsere Forderung nach Entschädigungen muss verstanden werden als Versuch, unsere Würde zurückzuerlangen und das zurückzubekommen, was uns zu Unrecht genommen wurde." Eine Gruppe von Herero-Führern hatte vor zwei Jahren in den USA den deutschen Staat sowie mehrere deutsche Unternehmen auf vier Milliarden Dollar (3,14 Milliarden Euro) Entschädigung verklagt. Riruako forderte den namibischen Präsidenten Sam Nujoma auf, die Forderung nach Reparationen zu unterstützen und kritisierte die Abwesenheit des Staatschefs bei der Gedenkfeier.

Keine Entschädigungen

Die deutsche Regierung lehnt eine formelle Entschuldigung und Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen ab. Deutschland stehe zu seiner Vergangenheit, lehne eine "entschädigungsrelevante Entschuldigung" aber ab, sagte Außenminister Joschka Fischer (Grüne) im Oktober in Namibia. Außenamtssprecher Walter Lindner verwies zum Jahrestag darauf, dass das südwestafrikanische Land pro Kopf gesehen die höchste deutsche Entwicklungshilfe in Afrika bekommt. "Der besonderen Verantwortung sind wir uns selbstverständlich bewusst. Es ist ein trauriger Jahrestag." (APA/dpa)

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    Der deutsche Botschafter Wolfgang Massing und Herero-Chef Kuaima Riruako.

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