Haider schont Schüssel

20. Jänner 2004, 16:36
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FP bei Neujahrskonferenz gegen "rote Raunzer" - Partei eingeschworen auf Sieg in Kärnten

Klagenfurt - Rennautos vor der Halle, junge Frauen in Formel-1-Anzügen in der Halle - und dann sein Einzug: Begleitet von bombastischer Musik, angeblitzt vom Blaulicht der Computer-Laser-Show, wurde Jörg Haider im Rennboliden in die Klagenfurter Messehalle gekarrt. Getreu dem demonstrativ optimistischen Motto der Neujahrskonferenz der FP, "Pole-Position für Kärnten".

Ganz allein auf die Stärke des Rennautos FPÖ wollte sich Kärntens FPÖ-Chef Martin Strutz nach den vielen Auffahrunfällen offenbar nicht verlassen - er bemühte die Astrologie: "Die Sterne stehen gut am Tag der Kärntner Wahl. Zudem ist Vollmond - das heißt Kraft."

Kraft kann die FPÖ brauchen, wie sie bei ihrer Tagung beschwor. "2003 war das reinigende Gewitter", 2004 werde das Jahr der Chancen, hoffte Parteichef Herbert Haupt, dass die Zeit der Streitereien vorbei sei. Ursula Haubner assistierte beim Hoffen: "Wir starten heuer durch."

Startversuch unklar

Ob auch bei der Bundespräsidentschaftswahl ein Startversuch gemacht wird, ist nicht klar: Ob die FPÖ einen eigenen Kandidaten aufstellt, ist offiziell nicht entschieden. Haubner ist eher dafür, andere sind aus finanziellen Gründen eher dagegen - auf jeden Fall geben sich die Blauen noch geheimnisvoll und wollen erst gegen Mitte März über eine eigene Kandidatur entscheiden.

Also erst nach der Kärntner Wahl. Die interessierte die blauen Granden am Wochenende mehr als die Bundespräsidentschaftskandidatur - was durch zeitweises Schwänzen der Parteisitzungen am Samstag deutlich wurde: Haupt war bei einer Hochzeit, Haider Ski fahren - und später Zaungast beim Klagenfurter SPÖ-Ball, wo er auf den Stargast und Präsidentschaftskandidaten Heinz Fischer traf.

Am Sonntag dann, bei der Neujahrskonferenz, schwänzte kein Blauer. Geht es doch im März um viel, wie Haider beschwörend einleitete: "Manche hoffen, dass das Kapitel FPÖ geschlossen ist, wenn es auch in Kärnten schief geht." Das dürfe nicht passieren: "Es kann nicht sein, dass wir zuschauen, wie die FPÖ im Staub der Geschichte versinkt. Unsere Anliegen dürfen nicht in Regierungspragmatismus untergehen. Wir müssen uns verdammt zusammenreißen und aus Fehlern lernen."

Haiers langes Wettern

Seine Fehler, seinen Anteil am internen Streit verschwieg Haider dezent. Er geißelte lieber die anderen: die ÖVP und ihren "Privatisierungswahn"; die EU, wo "pensionierte Politiker in grenzsenilem Zustand Verfassungen verordnen wollen"; die USA; die sozialistische Verschwendungspolitik - und die Asylpolitik: Der Bund solle überlegen, soziale Unterstützungen für Asylwerber einzufrieren - "es kann nicht so sein, dass das Geld beim Fenster hinausgeworfen wird. Wir müssen auf die eigenen Leute schauen".

Eine Stunde und 45 Minuten lang schimpfte Haider über die anderen und lobte seine Leistungen - etwa bei der Steuerreform, mit der er bewiesen habe, dass die FPÖ die Familienpartei sei. Und wenn die FPÖ auch noch als geeinte Familie auftrete, dann könne nichts mehr schief gehen - bei der Kärntner Wahl und überhaupt: "Dann wird der Aufwind aus Kärnten auf Österreich überschwappen."

Die Parteifreunde applaudierten und hofften mit. Und manche übten sich dann am Formel-1-Testboliden. Wer weiß denn schon, ob die Pole-Position über die Wahl hinaus hält? (Eva Linsinger/DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2004)

Der Hoffnung auf die Kärntner Wahl wird vorerst alles untergeordnet - auch die mögliche Kandidatur bei der Bundespräsident- schaftswahl wartet bis danach.

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