Tanzi belastet Banken

13. Jänner 2004, 18:49
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Gläubigerbanken wussten angeblich seit Anfang Dezember über finanzielle Lage Bescheid

Rom - Der Firmengründer des insolventen italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, setzt die Banken unter Druck. Wie der 65-jährige Großunternehmer den Ermittlern erklärte, habe er die Gläubigerbanken bereits bei einer Sitzung am 4. Dezember über die finanzielle Lage seiner Gruppe informiert. Die Banken hätten ihm dann trotzdem bei der Rückzahlung einer fälligen Anleihe geholfen.

Nachsicht verwandelt in Komplizenschaft

Tanzi berichtete auch über seine Beziehungen zu den italienischen Managern der Buchprüfungsgesellschaften Grant Thornton und Deloitte&Touche, die wegen des Parmalat-Skandals stark in Bedrängnis geraten sind. "Ich weiß, dass es von ihrer Seite bei der Prüfung unserer Bilanzen eine gewisse Nachsicht gab, die Sie jetzt Komplizenschaft nennen", sagte Tanzi im Gespräch mit den Ermittlern nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" (Samstag-Ausgabe).

Untersuchungen in der Bank of America

Unter Beschuss steht vor allem die Bank of America, deren Mailänder Sitz am Freitag zehn Stunden durchsucht worden war. Das Geldhaus steht im Verdacht, Bilanzfälschungen und Veruntreuung von Geldern begünstigt zu haben. Ursprünglich hatte das amerikanische Geldinstitut im Dezember den Skandal um Parmalat aufdecken lassen, indem ein Dokument des Milchkonzerns über ein angebliches Guthaben von 3,95 Milliarden Euro offen als Fälschung bezeichnet wurde. Das Geldinstitut hatte damals versichert, keine Geschäftsbeziehungen mit Parmalat und deren skandalumwitterter Tochtergesellschaft Bonlat auf den Cayman-Inseln zu unterhalten.

Luca Sala als Schlüsselfigur

Die Ermittler behaupten aber, dass das amerikanische Institut in Wahrheit Kredite von bis zu 700 Millionen Euro an Parmalat vergeben habe. Schlüsselfigur in dieser undurchsichtigen Geschichte ist der festgenommene Ex-Funktionär der Bank of America in Italien, Luca Sala. Dieser hatte im vergangenen Jahr die Bank verlassen und sich in Tanzis Dienst gestellt. Am Freitag waren Bankkonten und Besitztümer mehrerer verdächtigter Top Manager von Parmalat beschlagnahmt worden.

Nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" hätten die Ermittler bereits acht Off Shore-Gesellschaften von Parmalat im Steuerparadies der Cayman Inseln entdeckt. Informationen über diese Gesellschaften könnten sich für die Suche nach einem angeblichen Geheimvermögen im Wert von mehr als acht Mrd. Euro als entscheidend erweisen, den Tanzi laut den Ermittlern unterschlagen haben soll.

Ermittlungen gegen 40 Kreditinstitute

Laut italienischen Medien ermitteln die Mailänder Staatsanwälte gegen 40 Kreditinstitute, darunter die Deutsche Bank wegen unklarer Verbindungen zu Parmalat. Die italienischen Banken planen nun eine Gegenoffensive und denken an eine Klage gegen das zurückgetretene Parmalat-Management unter Tanzis Führung. Einige Kreditinstitute unter Leitung des Unicredito-Präsidenten, Alessandro Profumo, setzten sich mit Rechtsanwälten und Experten in Verbindung, um eine Klage gegen Parmalat einzureichen, berichtete der "Corriere della Sera".

Schutz der Anleger

Um das angeschlagene Vertrauen der Investoren in das italienische Finanzsystem zurück zu gewinnen, verabschiedete die römische Bank Capitalia, die zu Parmalats Gläubigerbanken gehört, einen Plan zum Schutz von Anlegern, die Bonds maroder Unternehmen besitzen. Die Bank will ihre Kunden entschädigen, die Bonds von Parmalat sowie des im vergangenen Jahr zusammengebrochenen Nahrungsmittelkonzerns Cirio besitzen. (APA)

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