Riskante Pulvernahrung für Säuglinge

10. Jänner 2004, 12:00
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Studie weist in Babynahrungsfabriken und Haushalten gefährliche Bakterien nach

London - Babynahrung, die aus Pulver zubereitet wird, enthält mit großer Wahrscheinlichkeit das besonders für Früh- und Neugeborene gefährliche Bakterium Enterobacter sakazakii, berichtet das Fachmagazin The Lancet.

Forscher um Chantal Kandhai an der Wageningen-Uni in den Niederlanden fanden das Bakterium in allen vier von ihnen untersuchten Fabriken für Babynahrung. Bereits seit Jahren verdichten sich die Hinweise, dass bei schweren und oftmals tödlich verlaufenden Infektionen bei Früh- und Neugeborenen pulverisierte Babynahrung die Quelle des auslösenden Bakteriums war.

E. sakazakii kann Meningitis und schwere Darminfektionen auslösen. Bisher sind weltweit nur wenige Infektionen mit diesem Bakterium dokumentiert, die Sterblichkeitsrate liegt jedoch bei infizierten Frühgeborenen zwischen 40 und 80 Prozent. Im Gegensatz zu bereits gebrauchsfertiger, flüssiger Babynahrung im Glasfläschchen auf den Neugeborenenstationen der Spitäler wird die pulverisierte Säuglingsnahrung nicht lange genug hohen Temperaturen ausgesetzt, um sie zu sterilisieren. Als international akzeptierter Standard gelte dabei eine Anzahl von vier Bakterien pro 100 Gramm.

Jüngere Studien gehen aber davon aus, dass bereits kleinste Mengen des Bakteriums für eine Infektion ausreichen, wenn das Immunsystem, wie eben bei Frühgeborenen, nicht optimal arbeitet. Die Forscher fordern daher die Hersteller auf, die Quellen für das Bakterium in ihren Fabriken zu eliminieren. Unterstützt wurde die Studie vom Forschungszentrum der Firma Nestlé, dem weltweit größten Hersteller von Babynahrung.

Hintergrund dürfte der Tod eines Buben in Belgien sein, der März 2002 mit Nestlés Säuglingsanfangsnahrung "Beba 1" ernährt wurde und an durch E. sakazakii verursachter Meningitis starb. Nestlé rief damals die betreffende Charge, in Deutschland hergestellt und in Belgien und der Schweiz verkauft, zurück.

Ob es sich bei den jetzt kontrollierten Fabriken um Herstellungsstätten von Nestlé handelt, bleibt in der Studie unerwähnt. Die Forscher hatten die Bakterien auch in 16 untersuchten Haushalten gefunden. Das genaue Ausmaß ihrer Verbreitung in der Umwelt ist jedoch nicht bekannt.

Eltern wird empfohlen, Babynahrung aus Pulver stets frisch mit kochendem Wasser und nicht schon längere Zeit vorher zuzubereiten, um dem Bakterium nicht einen idealen Nährboden zu verschaffen. (Andreas Grote/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11. 1. 2004)

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