Wo man sich dreht, da rollt auch der Rubel

14. Jänner 2004, 14:40
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Die Ballsaison kommt auf Touren und bringt auch die Wirtschaft in Schwung

Wien - Drehen und rollen gehören zusammen. Nicht nur, was das resultierende Schwindelgefühl angeht: Die Ballsaison lässt auch die Wirtschaft frohlocken.

Denn es sind nicht nur die Debütantinnen und Debütanten, die angesichts der nun in Schwung kommenden Zeit der durchtanzten Nächte glänzende Augen und feuchte Hände bekommen: Allein die großen Nobelbälle lassen die Kassen ordentlich klingen. Kumuliert belaufen sich Kartenpreise und "Spesen" - etwa Gastronomie, Taxi, Friseure, Hotels - der wirklich großen Bälle (vom Philharmonikerball am 22. 1. über den Jägerball 26. 1. bis zum Opernball am 19.2.) auf über 35 Millionen Euro. Sagt jedenfalls eine Studie aus dem Jahr 2001.

Weil aber "Kleinvieh" auch "Mist" macht, freut sich neben Kapellen und Tanzschulen vor allem der Fiskus über Wien im Walzerfieber: Zeigt doch der Ballkalender auf der Homepage der Stadt Wien zwischen Jänner und März 153 Bälle an. Insgesamt dürften in Wien jährlich um die 400 Bälle stattfinden.

Qual der Wahl

Freilich wirft diese Fülle auch Probleme auf. Doch während ein Richard Lugner sich bloß darum sorgt, mit wem er - auf Kosten seiner Kaufparkmieter - auf den Opernball gehen soll, stehen Normalsterbliche eher vor konditionellen und organisatorischen Fragen. Gilt es doch aus einer Fülle oft recht ähnlich positionierter Veranstaltungen den Richtigen zu wählen: So buhlen - um nur ein Beispiel zu nennen - Altschotten, Hietzings Bürger, Wiens VP-Senioren und der Niederösterreichische Bauernbund alle am 10. Jänner um ein wohl homogenes Publikum.

Und während Besucher des Opernballs ihre Kondition wohl kaum tags darauf beim Flüchtlingsball beweisen werden, sollen sich Freunde der Magie wohl fit zaubern: Dem "Ball der Magier" (21. 2.) folgt prompt die "Gala der Magier". Hart, wenn nicht gar brutal, dürfte auch die Entscheidung zwischen Wasserwerk-, Wiengas-, Schulwart- oder der Hausbesorgerball werden (alle am 6.3.) - außer man bringt es übers Herz, dem irdischen Dilemma zu entflattern: Etwa beim "Ball der Airliner". (rott/DER STANDARD, Printausgabe 10./11.01.2004)

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    Die großen Bälle lassen die Kassen klingen.

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