Flüchtiger Parmalat-Manager verhaftet

9. Jänner 2004, 20:47
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EU-Kommission startet mit Überprüfung des Dekrets zur Rettung des Lebensmittelkonzerns

Rom - Der flüchtige Manager des insolventen italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Giovanni Bonici, hat sich am Freitag der Polizei gestellt und befindet sich in der Strafanstalt der Stadt Parma. Ein Haftbefehl war gegen Bonici, Chef der Parmalat-Tochter in Venezuela, zu Silvester erlassen worden.

Der 36-jährige Manager hatte sich noch einige Tage Zeit genommen, ehe er sich zur Rückkehr nach Italien entschloss, berichteten italienische Medien am Freitag. Bonici wird beschuldigt, im Dienste von Parmalats Firmenchef Calisto Tanzi die Bilanzen der Gruppe gefälscht zu haben.

"Folgte den Befehlen Tanzis"

Antonino Tuccari, Rechtsanwalt Bonicis, betonte, die Staatsanwälte könnten seinem Mandanten nichts vorwerfen. "Bonici folgte den Befehlen Tanzis. Aus Parma trafen in Caracas Dokumente ein, die er unterschreiben musste. Er konnte dies nicht ablehnen. Er dachte nicht, etwas Illegales zu tun", berichtete der Rechtsanwalt.

Bonici hatte enge Beziehungen zum Ex-Finanzchef Parmalats, Fausto Tonna, der als Drahtzieher im internationalen Skandal um die Insolvenz des Lebensmittelkonzerns gilt.

Am Freitag wurde auch die Wohnung des Ex-Funktionärs der Bank of America, Luca Sala, durchsucht. Er war am Donnerstag verhaftet worden. Sala hatte vor einem Jahr das US-Geldhaus verlassen und eine neue Karriere als Berater des Parmalat-Firmengründers Tanzi begonnen. Am Freitag wurde auch der Mailänder Sitz von Bank of America durchsucht.

EU überprüft Dekret

Die EU-Kommission berichtete am Freitag inzwischen, mit der Überprüfung des Dekrets der italienischen Regierung zur Parmalat-Rettung beginnen zu wollen. Die EU-Kommission habe den Text des Dekrets erhalten, berichtete der Sprecher der EU-Kommission, Reijo Kemppinen, nach Angaben italienischer Medien.

Die EU will den Erlass prüfen um sicherzustellen, dass es sich nicht um eine wettbewerbsverzerrende staatliche Hilfe für Parmalat handelt. Das Kabinett des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hatte den Erlass am 23. Dezember beschlossen. Er sieht neue Bestimmungen für Firmen vor, die vom Bankrott bedroht sind. (APA)

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