Slowenien-Kroatien: Kompromiss im Streit um Meerzugang

11. Jänner 2004, 15:01
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Kroatien verneint Korridor und bietet freie Fahrt durch gesamte Territorialgewässer an

Zagreb/Wien - In den seit Jahren festgefahrenen Grenzstreit zwischen Slowenien und Kroatien könnte Bewegung kommen. Zagreb ist nach einem Bericht der kroatischen Tageszeitung "Novi list" (Freitagausgabe) bereit, sein gesamtes Territorialgewässer zu öffnen, damit Slowenien Zugang zu internationalen Gewässern erhält. Die Zeitung beruft sich dabei auf gut informierte Kreise um den neuen kroatischen Ministerpräsidenten Ivo Sanader. Der neue Vorschlag soll am 28. Jänner bei einem Treffen des slowenischen Außenministers Dimitrij Rupel mit seinem kroatischen Amtskollegen Miomir Zuzul in Zagreb diskutiert werden.

Die freie Durchfahrt slowenischer Schiffe durch kroatisches Gewässer könnte von EU und NATO garantiert werden, hieß es aus den Kreisen weiter. Slowenien würde damit de facto seinen derzeitigen Status als Binnenstaat verlieren.

30 Kilometer slowenische Küste, aber kein Zugang zu internationalen Gewässern

Slowenien verfügt in der Adriabucht von Piran lediglich über 30 Kilometer Küste. Weil sich die Territorialgewässer Kroatiens und Italiens vor der Bucht kreuzen, ist Slowenien aus kroatischer Sicht der Zugang zu internationalen Gewässern verwehrt. Laibach verweist aber darauf, dass die einzelnen Republiken im gemeinsamen Staat Jugoslawien nicht über eigene Gewässer verfügt hätten und daher auch Slowenien Zugang zu internationalen Gewässern gehabt habe.

Ein von den Regierungen der beiden Länder im Jahr 2001 paraphiertes Abkommen sieht vor, dass Slowenien im Gegenzug für Konzessionen beim Verlauf der 600 Kilometer langen Landgrenze einen eigenen Korridor ("Rauchfang") durch kroatische Gewässer zum offenen Meer erhalten soll. Schon wenige Wochen später nahm der damalige kroatische Ministerpräsident Ivica Racan aber nach heftiger innenpolitischer Kritik Abstand vom Grenzverlaufsabkommen. Auch die Kreise um Sanader weisen die Korridorlösung, auf der Slowenien weiter beharrt, zurück. "Das ist klassisches Abtreten von Territorium, was die kroatische Verfassung nicht zulässt und im Sabor (kroatisches Parlament) sicher nicht angenommen würde", hieß es laut "Novi list". (APA)

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