Spezielle Intensivbehandlung gegen das Multiple Myelom

11. Jänner 2004, 18:12
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Langfristige Überlebenschancen in Studie verdoppelt

New Orleans - Eine spezielle Intensivbehandlung verbessert massiv die Prognose von Patienten mit Multiplem Myelom. Nach einer französischen Studie können mit zwei hochdosierten Chemotherapien und jeweils anschließender Stammzellentransplantation die langfristigen Überlebenschancen verdoppelt werden. Die Mediziner aus Toulouse verglichen die Daten von rund 400 Patienten, von denen eine Hälfte ein Mal Chemotherapie und Stammzellen aus dem Knochenmark erhielt, die andere Hälfte zwei Mal.

Nach sieben Jahren waren von den Patienten mit Intensivbehandlung noch 42 Prozent am Leben, verglichen mit 21 Prozent der Patienten, die nur einmalig behandelt worden waren. Gleichzeitig halbierte die Wiederholungstherapie die Gefahr einer Rückkehr der Krebserkrankung von 20 auf zehn Prozent. Besonders auffällig war die positive Wirkung jedoch bei denjenigen Patienten, die auf die erste Behandlung schlecht reagiert hatten. Von diesen lebten sieben Jahre später lediglich elf Prozent derjenigen, die keine Zweitbehandlung erhalten hatten. Wurde die Therapie jedoch wiederholt, lag der Prozentsatz bei 43 Prozent.

"Möglicherweise sollten sich gerade Patienten, denen es nach der ersten Transplantation nicht gut geht, automatisch einer zweiten Transplantation unterziehen", betont Len Lichtenfeld von der Amerikanischen Krebs-Gesellschaft. Dies sei vielleicht die wichtigste Lektion der Studie.

Stammzelltransplantation

Die Stammzelltransplantation ermöglicht es, bei der Chemotherapie eine besonders hohe Dosis zu verabreichen, da die Stammzellen durch die Behandlung abgetötete Zellen ersetzen können. Eine Stammzellentransplantation ist jedoch mit bis zu 150.000 Euro sehr teuer. Zudem ist sie riskant: Bei der Studie starben insgesamt zehn Patienten an den Folgen der Verpflanzung.

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 2.200 Menschen an einem Multiplen Myelom. In Österreich wird das Myelom laut Prim. Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig, Onkologie-Vorstand im Wiener Wilhelminenspital, jährlich bei rund 400 Menschen diagnostiziert, rund 4.000 Erkrankte gibt es derzeit.

Geringe Heilungschancen

Bei den Patienten entartet eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die so genannten B-Lymphozyten, die wiederum Knochen auflösende Zellen aktivieren. Zusätzlich verdrängen sie reife Blutzellen, was zu Blutarmut und zur Schwächung des Immunsystems führt. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit und Knochenbrüche gehören zu den Hauptsymptomen der Krebserkrankung. Die Heilungschancen sind bislang ausgesprochen gering. (APA/AP)

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