Neues Blutzucker-Testgerät ab April

9. Jänner 2004, 13:46
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Die "Messuhr" kommt ohne Stich und Blutprobe aus und wird in Österreich 2.950 Euro kosten

Wien/Graz - Eine "Uhr", die minütlich den Blutzucker misst und vor gefährlichen Stoffwechselentgleisungen warnt: Ab April wird es in Österreich das erste praktisch einsetzbare Blutzucker-Testgerät für Diabetiker geben, das ohne Stich und Blutprobe auskommt. "Wir beginnen mit einer Studie Ende Jänner, um Erfahrungen zu sammeln. Es handelt sich um einen echten Meilenstein bei der Verbesserung der Versorgung von Zuckerkranken", erklärte Oberarzt Dr. Silvester Berger vom Rehabilitationszentrum in Aflenz in der Steiermark.

"Pendra" heißt das System, das vor allem bei Typ 1-Diabetikern, die sofort nach Ausbruch der Erkrankung Insulin spritzen müssen, einen Gutteil der mit Stichen in die Fingerkuppen verbundenen herkömmlichen Blutzucker-Messungen ersetzen könnte. Wermutstropfen: Die "Blutzucker-Messuhr", die von der Pendragon Medical AG (Schweiz) mit Risikokapital entwickelt wurde und seit Mai 2003 nach umfangreichen klinischen Tests die europäische CE-Zertifizierung für Medizinprodukte erhalten hat, wird in Österreich 2.950 Euro kosten.

Widerstandsmessung

Das Prinzip beruht auf der so genannten Impedanz Spektroskopie (Widerstandsmessung): Veränderungen des Glukose-Spiegels im Blut führen zu Veränderungen der elektrischen Eigenschaften der Haut und des darunter liegenden Gewebes. Die Uhr erzeugt ein schwaches elektromagnetisches Feld. Die Wechselwirkungen zwischen diesem Feld und den Eigenschaften von Haut und Gewebe werden von einem Sensor an der Unterseite der "Uhr" aufgenommen und ausgewertet. Die Werte eines ganzen Monats können gespeichert und - so oft erwünscht - vom Arzt abgerufen werden.

Berger: "Pro Tag bekommt man 1.440 Blutzuckerwerte. Das entspricht einer kontinuierlichen Blutzuckermessung unter Alltagsbedingungen. Prinzipiell ist das System für jeden Diabetiker geeignet, der mit Insulin behandelt wird. Eine wichtige Indikation wird die Anwendung bei Diabetikern sein, die bereits eine gestörte Hypoglykämie-Wahrnehmung ("Unterzuckerung") haben. Optimal ist es aber auch für Patienten mit Insulinpumpen."

Warnfunktion

Doch speziell wichtig könnte auch die Warnfunktion des Gerätes für Diabetiker mit stark schwankenden Blutzuckerspiegeln sein. Der Diabetologe: "Man kann Werte für zu hohe bzw. zu niedrige Blutzuckerwerte einstellen, ab denen das Gerät Alarm schlägt. Es kann aus dem Trend der Blutzuckerwerte bereits 20 Minuten vor einer Hyper- oder Hypoglykämie vorhersagen, dass der Patient Probleme bekommen könnte, wenn das so weiter geht." Bei einem schnell steigenden Blutzuckerspiegel könnte dann zusätzliches Insulin die drohende Spitze abfangen, bei Gefahr einer "Unterzuckerung", könnte der schnelle Konsum von Kohlenhydraten (Zucker) das Risiko bannen.

Von besonderem Wert könnte die Warnfunktion für jene Diabetiker sein, die zu potenziell lebensgefährlichen Hypoglykämien im Schlaf neigen. Das kann sogar tödlich enden. Berger: "Auch für Diabetiker, die mit dem Auto fahren, ist eine solche Warnung wichtig." Renault arbeite sogar schon an der Integration eines solchen Systems in Pkw.

Abgabe

Die Abgabe der "Pendra"-Blutzucker-Messuhr wird ausschließlich über speziell geschulte Ärzte bzw. Spitalsabteilungen erfolgen. Wegen der hohen Kosten wird auch an ein Miet-System gedacht. In Österreich werden - in Aflenz, am Krankenhaus Lainz in Wien und in Salzburg - in den kommenden Wochen zusätzliche klinische Tests an insgesamt rund 25 Probanden mit dem neuen System anlaufen. Dabei sollen noch einmal Alltagstauglichkeit, Verlässlichkeit und Sicherheit geprüft werden. (APA)

"Pendra" wird in Österreich über das Unternehmen Med Trust in Lichtenwörth in Niederösterreich angeboten werden.
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