Kannibalen-Prozess fortgesetzt

11. Jänner 2004, 19:22
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Angebliche Freundin bestritt Beziehung

Kassel - Im Prozess gegen den Kannibalen von Rotenburg hat am Freitag eine Zeugin den Aussagen des Angeklagten Armin Meiwes widersprochen. Vor dem Landgericht Kassel bestritt die 39-Jährige, die mit blonder Perücke und schwarzer Brille auftrat, eine sexuelle Beziehung mit Meiwes gehabt zu haben. Der 42-Jährige hatte in einem nicht abgeschickten, von der Polizei sichergestellten Brief geschrieben, dass er die Frau liebe und mit ihr einen neuen Lebensabschnitt beginnen wolle.

Meiwes hatte die Freundin seiner Nachbarin auf einer Silvesterparty 1999/2000 kennen gelernt. Die 39-Jährige sagte: "Meine Freundin wollte mich mehr oder weniger mit ihm verkuppeln." Sie habe mit ihm etwa drei Wochen lang Verbindung gehabt. "Wir hatten aber keinen sexuellen Kontakt", betonte die Zeugin. Ihre Freundin untermauerte diese Aussage. Sie hätte es gewusst, wenn es eine Beziehung gegeben hätte, erklärte sie.

Die 39-Jährige bezeichnete Meiwes als sehr nett und hilfsbereit: er habe ihr oft Blumen mitgebracht. Sie habe ihn auch besucht. "Das Haus war furchtbar. Es war irgendwo beängstigend", sagte die 39-Jährige. Im Zimmer der verstorbenen Mutter sei das Bett nicht gemacht gewesen, und deren Brille sei noch da gelegen. "Für mich war das so, als ob die gute Frau nur mal kurz raus ist." Die Zeugin sagte, Meiwes habe ihr einmal beim Fernsehen gesagt, dass er schwul sei. Zwischen ihnen habe die Chemie nicht gestimmt.

Hintergrund

Meiwes hat gestanden, am 10. März 2001 den Berliner Diplom-Ingenieur Bernd Jürgen B. auf dessen Wunsch hin entmannt und getötet zu haben. Nach und nach aß er nach eigener Aussage insgesamt 20 Kilogramm des Menschenfleischs. Die gesamte Tat nahm er auf Video auf. Meiwes will wegen Tötung auf Verlangen verurteilt werden; er ist aber wegen Mordes aus sexuellen Motiven angeklagt.

Der Vater des Angeklagten konnte nicht als Zeuge vernommen werden, weil er ein Arzt ihm eine Erkrankung attestiert hatte. Ein Halbbruder von Meiwes verweigerte die Aussage. (APA/AP)

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