"Kost und Logis muss in Österreich teurer werden"

16. Jänner 2004, 19:11
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Wifo-Smeral warnt vor Arbeitskräftemangel

Wien - Hoteliers und Gastronomen in Österreich haben bereits jetzt zu gewissen Zeiten Personalprobleme. Aus demografischen Gründen werde es künftig noch viel schwerer, genügend Mitarbeiter zu bekommen, prognostiziert der Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Egon Smeral.

Den betroffenen Betrieben bleibe kaum eine Wahl: "Wer ausreichend Personal bekommen will, muss mehr zahlen. Das kann sich aber nur leisten, wer sein touristisches Produkt verteuert - ein Teufelskreis."

"Produkt Österreich" sehr billig

Mehr Saisoniers sei nur bedingt ein Ausweg. Smeral sieht aber bei den Preisen für Kost und Logis noch Spielraum nach oben. Im internationalen Vergleich sei das "Produkt Österreich" noch immer sehr billig.

Dass die Arbeitslosenstatistik im Jahresdurchschnitt rund 30.000 Arbeitslose in der Tourismusbranche ausweist, sei kein Widerspruch zur These, dass es bereits jetzt in der Hauptsaison einen Arbeitskräftemangel gibt. "Viele sind nicht vermittelbar", sagte Smeral. Einstellungszusagen, regionale und soziale Zumutbarkeitsgrenzen, mangelnde Qualifikation oder zu hohes Alter verhinderten die Beschäftigung.

Bevölkerungsrückgang

In einer eben fertig gestellten Studie über die "Struktur des touristischen Arbeitsmarktes" hat Smeral im Auftrag der Tourismussparte der Wirtschaftskammer Österreich die Situation über fünf Jahre analysiert. Eines der Ergebnisse: Im Beobachtungszeitraum ist die Zahl der Beschäftigten im Tourismus um jährlich 1,4 Prozent gestiegen, deutlich mehr als in der Gesamtwirtschaft (plus 0,6 Prozent). Allein im Gastgewerbe seien in den vergangenen fünf Jahren 10.400 neue Jobs entstanden; bis zum Jahr 2010 sollen 1500 neue Mitarbeiter pro Jahr dazukommen.

Gleichzeitig gehe aber das Arbeitskräfteangebot zurück. Insbesondere der Bevölkerungsrückgang in den Altersklassen 15 bis 19 Jahren und 25 bis 39 Jahren werde die Branche hart treffen, glaubt Smeral. "Weil gerade diese Altersgruppen im Tourismus stark vertreten sind." (DER STANDARD Printausgabe, 9.1.2004, stro)

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