Voest-Chef: "Ostfantasie reicht bis nach China"

16. Jänner 2004, 19:13
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Geschäftsjahr 2003/04 wird zweitbestes der Voestalpine - Expansion geht weiter

Wien - "Unsere Ostfantasie reicht bis nach China", sagt Voest-Chef Wolfgang Eder. Osteuropa sei ein Hauptmarkt für die Voest, der derzeit mit rund 220.000 Tonnen beliefert wird und auf bis zu 700.000 Tonnen ausgebaut werden soll. Die Voest wolle dort aber nicht produzieren, indem sie Stahlwerke kaufe, sondern ihre Kunden und Auftraggeber, etwa die expandierenden Autohersteller, als Verarbeiter begleiten, führte Eder aus.

Der Expansionskurs werde auch die Mitarbeiterstruktur ändern, die 8000 Voestler im Ausland werden in zwei bis drei Jahren mit den 15.000 im Inland gleichziehen, wenn der Stahlkonzern, der seine Erträge vor wenigen Jahren noch zu 70 Prozent aus dem "Stahlkochen" bezog, zu einem Zulieferer wird, der zu 60 Prozent von der Verarbeitung "lebt". In zwei bis drei Jahren will die Voest nicht nur einzelne Autoblechteile schweißen und pressen, sondern ganze Karosserien, in der gewünschten Farbe lackiert, ausliefern.

Zweitbestes Ergebnis erwartet

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der 51-jährige Jurist "mit dem zweitbesten Ergebnis der Unternehmensgeschichte". Das Rekordergebnis (Ebit) des ersten Halbjahres - es stieg von 90,6 auf 146,8 Mio. Euro werde man aufgrund höherer Rohstoffkosten nicht verdoppeln können.

Ein allfälliger Markteinstieg in China sei überhaupt ein eigenes Kapitel. Denn das Reich der Mitte sei zwar ein Riesenmarkt, als politisches und wirtschaftliches Spannungsfeld allerdings mit enormen Risiken behaftet. Die Entscheidung, ob die Voest diesen Schritt wagen wird, soll bis Ende 2004 fallen. Wenn ja, dann gilt auch hier die Regel: nicht im Kernbereich Stahlproduktion, sondern in der Autokarosseriesparte "Motion" und mit Profilform. Insbesondere Letztere könnte vom Bauboom in China profitieren, stellt diese doch hochpräzise Lagerkonzepte her, wie sie jüngst im ÖBB-Logistikzentrum in Linz und bei Tchibo-Eduscho in Bremen errichtet wurden. (DER STANDARD Printausgabe, 9.1.2004, ung)

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