"Völlig kontraproduktiv mitten im Wahlkampf"

12. Jänner 2004, 15:47
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SP-interne Kritik an Auftritt Seifried/Haider

Klagenfurt - Irritation und Verärgerung herrschen in der Kärntner SPÖ über das Ausscheren des Wolfsberger Bürgermeisters Gerhard Seifried. Dieser hat aus Sicht vieler SP-Mandatare mit der Präsentation einer kommunalen FP-SP-Plattform an der Seite Jörg Haiders die Parteilinie für den Kärnten-Wahlkampf unterlaufen. Kommenden Donnerstag soll das Thema Seifried im Parteipräsidium erörtert werden. Konsequenzen werden aber im Interesse eines von parteiinternen Diskussionen unbehelligten Wahlkampfes nicht erwartet.

Der St. Veiter Bürgermeister Gerhard Mock vermutet hinter Seifrieds Beweggründen "den Egotrip einer narzisstisch gefärbten Persönlichkeit". Beide, Haider und Seifried, seien sich darin sehr ähnlich. "Jedenfalls ist es völlig kontraproduktiv, mitten im Wahlkampf eine solche Aktion zu setzen", meint Mock: "Manchmal habe ich das Gefühl, Seifried hat sich innerlich schon von der Partei verabschiedet."

Seifried selbst kann die ganze Aufregung nicht verstehen. "Ich erlaube mir nur den Luxus einer eigenen Meinung", sagt er im Gespräch mit dem STANDARD. Seine Aktion sei "nicht als Provokation" ausgelegt gewesen: "Ich wollte mit der Plattform-Idee lediglich ein offenes Politikmodell aufzeigen. Ausgrenzungsstrategien gehen immer nach hinten los", meint Seifried: "Nur zu sagen, der Haider muss weg, ist zu wenig." Ab jetzt werde die SPÖ aber verstärkt Themen in den Intensivwahlkampf einbringen.

Jörg Haider und die FPÖ setzen einmal mehr auf Privilegienabbau. Mittels Volksbefragung will Haider die Pensionsharmonisierung in Kärnten durchsetzen. Die FP-Kandidatenliste birgt kaum Überraschungen. Ob das freiheitliche Personalreservoir damit ausgeschöpft ist, wird erst die Landesliste zeigen, für die sich Haider das Vorschlagsrecht gesichert hat.

VP-Chef Georg Wurmitzer wirft unterdessen Grünen- Vizechefin Eva Glawischnig mit ihrer Kandidatur bei der Kärntner Landtagswahl "Wählertäuschung" vor. (stein/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.1.2004)

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