Chirac für rasche Übertragung der Souveränität an Iraker

9. Jänner 2004, 19:00
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US-Militärinvention habe Kettenreaktion hervorgerufen - Französischer Präsident fordert "Wiedergeburt des Multilateralismus" für 2004

Paris - Der französische Staatspräsident Jacques Chirac hat erneut eine rasche Übergabe der Souveränität an das irakische Volk gefordert. Das "Gefühl der Besatzung" rufe immer die gleichen Reaktionen hervor, sagte Chirac am Donnerstag mit Blick auf die Gewalt in Irak. Die militärische Intervention der USA habe eine Kettenreaktion hervorgerufen. Die Krise könne nur über eine Regelung des Nahost-Konflikts erreicht werden.

Die US-Intervention habe "einem verabscheuungswürdigen Regime ein Ende bereitet", sagte Chirac in seiner Neujahrsansprache an das diplomatische Korps. "Jetzt schauen wir auf die Zukunft. Unser gemeinsames Ziel ist die Schaffung eines stabilen, wohlhabenden, demokratischen und in Frieden mit seinen Nachbarn lebenden Iraks." Er fügte hinzu: "Wir gewinnen oder verlieren alle gemeinsam." Nur die Vereinten Nationen könnten dem politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes volle Legitimität verleihen. "In diesem Geiste ist Frankreich selbstverständlich bereit, auf Wunsch der Iraker seinen Beitrag zu den kollektiven Bemühungen zu Gunsten des Iraks zu leisten."

2004 müsse eine "Wiedergeburt des Multilateralismus" erleben, sagte Chirac. Militärische Stärke allein reiche nicht mehr aus, um die neuen Bedrohungen für die internationale Sicherheit zu bannen. "Das Gefühl der Verbitterung der Völker, Nährboden jeglicher Gewalt, speist sich aus nicht gelösten Konflikten und einer ständigen Missachtung des Rechts", erklärte das französische Staatsoberhaupt.

"Die multipolare Welt wird zunehmend Wirklichkeit", sagte Chirac. "Wir bewegen uns in Richtung auf eine Welt, in der der politische, wirtschaftliche und kulturelle Einfluss zunehmend geteilt wird." Man müsse jedoch darauf achten, dass die Beziehungen zwischen den entstehenden Einflusspolen "nicht in Rivalität, Konfrontation und Chaos ausarten", mahnte Chirac. Die Beziehungen müssten auf das Recht gründen, das "von der Suche nach harmonischen und friedlichen Beziehungen bestimmt" werde.

Chirac sagte weiter, er freue sich auf die Teilnahme des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) als erstem deutschem Regierungschef bei der Gedenkfeier zur Landung der Weltkriegs-Alliierten in der Normandie. Die Alliierten-Landung sei "eines der grundlegenden Elemente des transatlantischen Bundes", betonte er. Der 60. Jahrestag am 6. Juni werde Gelegenheit bieten, "die Wertegemeinschaft zu feiern, die die Demokratien verbindet und die Rivalitäten von gestern überwindet". Daher freue er sich, dass Schröder seine Einladung angenommen habe. (APA/AP/dpa)

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