Schon 150 Opfer des Überweisungsbetrügers

11. Jänner 2004, 19:21
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Unbekannter fälschte Unterschrift auf Beleg und transferierte Geld auf eigenes Konto

Klagenfurt/Wien - Mindestens 150 Opfer, über 40.000 Euro Schaden: Diese Bilanz kann ein Betrüger vorweisen, der in ganz Österreich mit gefälschten Banküberweisungen operiert. In einem Teil der Fälle soll der Täter durch die Selbstbedienungs-Überweisungsboxen in den Bankfoyers zu Kontonummer und Unterschrift der Geschädigten gekommen sein.

Vor einer Woche ist die Masche in Villach aufgeflogen. Ein Rechtsanwalt entdeckte auf seinem Kontoauszug eine Transaktion über 521 Euro, die er nie getätigt hatte. Bei einer Überprüfung stellte sich heraus, dass seine Unterschrift auf dem Einzahlungsabschnitt gefälscht war.

Das Geld war auf ein Konto bei einer Wiener Bank-Austria-Filiale transferiert worden. Das Konto wurde mittlerweile gesperrt, die Rückerstattung des Geldes eingeleitet, berichtet Tiemon Kiesenhofer von der Pressestelle der BA-CA.

Die Exekutive glaubt, dass der Täter zumindest in einem Teil der Fälle über die Überweisungsboxen an die Kontonummer und die Unterschrift gekommen ist, indem er die ausgefüllten Erlagscheine wieder herausgeholt hat.

Dies ruft Kritik der niederösterreichischen Arbeiterkammer (AKNÖ) hervor. Viele dieser Boxen seien ungenügend gesichert, so der Vorwurf der Interessenvertretung. "Wir fordern die Banken auf, die Behälter manipulationssicher zu gestalten", fordert daher AKNÖ-Präsident Josef Staudinger. Auch wenn bei einem Betrug durch gefälschte Unterschriften die Bank ohnehin für den Schaden haftet.

Bei der BA-CA vermutet man dagegen zumindest in den Fällen der eigenen Kunden andere Hintergründe: "Unsere Boxen sind nur mit Gewalt zu öffnen, durch das Design ist es nicht mehr möglich, etwas aus dem Einwurfschlitz wieder herauszuziehen", erläutert Pressesprecher Kiesenhofer. Er vermutet eher, der Unbekannte sei durch Briefe oder Kostenvoranschläge an Unterschrift und Kontonummer seiner Opfer gekommen.

Bei anderen Instituten wie beispielsweise der Raiffeisen-Landesbank Oberösterreich betont man, dass die Selbst- bedienungsboxen ohnehin Auslaufmodelle seien. Stattdessen werde vermehrt auf Selbstbedienungsterminals gesetzt, für deren Betrieb die Bankkarte und der Code nötig seien, was die Sicherheit erhöhe. (moe/DER STANDARD, Printausgabe, 9.1.2004)

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