Gerüchte um neuen Biennale-Chef

15. Jänner 2004, 09:06
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Venezianischer Bankier Croff gilt als aussichtsreichster Kandidat für vakanten Posten - Zukunft des Direktors der Filmfestspiele nach wie vor ungewiss

Berlin/Venedig - Der Venezianer Davide Croff, Ex-Geschäftsführer der römischen Bank BNL, gilt als aussichtsreichster Kandidat für den vakanten Posten des Präsidenten der Venediger Biennale. Nach Angaben italienischer Medien vom Dienstag soll Croff von der römischen Regierung kommende Woche ernannt werden und damit den Posten des vor drei Wochen zurückgetretenen Biennale-Präsidenten Franco Bernabe übernehmen.

Kunstkritiker Achille Bonito Oliva auch aussichtsreicher Kandidat

Croff, der vor einigen Monaten den Führungsposten in seinem Kreditinstitut verlassen hatte, zählt zu den angesehensten Bankiers in Italien. Er steht an der Spitzer der Venediger Musikstiftung "Ugo e Olga Levi". Als weiterer möglicher Kandidat für den prestigereichen Posten gilt der Kunstkritiker Achille Bonito Oliva, der als Generalkurator der 45. Ausgabe der Venediger Biennale großen Erfolg hatte. Der 65-jährige Bonito Oliva zählte zu den Gründern der italienischen Kunstbewegung "Transavanguardia".

Reform ermöglicht mitmischen privater Partner bei der Biennale

2004 wird für Venedig überhaupt ein Jahr der Neuerungen sein. Die Regierung in Rom verabschiedete vor Weihnachten eine Reform, dank der auch Private künftig bei der Organisation der Biennale mitmischen können. Die internationalste der italienischen Kulturveranstaltungen mit ihren bekannten Filmfestspielen und ihren fünf Sektionen zeitgenössische Kunst, Architektur, Theater, Tanz und Musik wird ihre rechtliche Basis tiefgreifend ändern und in eine offene Stiftung umgewandelt, in der private Partner eine aktive Rolle spielen sollen.

Bernabe kündigte Rücktritt an

Der seit Dezember 2001 amtierende Präsident der Biennale, Bernabe, hatte nach der Verabschiedung der Reform seinen Rücktritt angekündigt. Er war damit beauftragt worden, die Biennale in der Übergangsphase bis zum neuen Statut zu leiten und die Weichen für eine engere Verbindung zwischen Kunst und privaten Gruppen zu stellen.

Giancarlo Giannini könnte de Hadeln als Direktor beerben

Ungewiss ist noch die Zukunft des Direktors der Filmfestspiele von Venedig, Moritz de Hadeln. Der neue Aufsichtsrat der Biennale muss entscheiden, ob der seit März 2002 amtierende Schweizer im Amt bestätigt werden soll. Der 63-jährige, der von 1979 bis 2001 das Berliner Filmfestival geleitet hatte und 2002 als erster Nicht-Italiener zum Direktor der ältesten Filmfestspiele der Welt bestellt worden war, könnte durch den bekannten italienischen Schauspieler Giancarlo Giannini ersetzt werden, spekulierten italienische Medien.

de Hadeln: "Ich bin Symbol der Unabhängigkeit des Festivals"

Der Direktor des Filmfestivals von Venedig, Moritz de Hadeln, sieht eine "breite Unterstützung" in der Filmbranche für sein Verbleiben im Amt. "Ich bin Symbol der Unabhängigkeit des Festivals am Lido", sagte de Hadeln am Sonntag in Berlin. Der 63-Jährige leitete zuvor zwei Jahrzehnte lang die Berlinale. "Es gibt Unterstützung von vielen Seiten. Das Spiel ist noch offen." Vier ehemalige Festspielleiter hätten bereits ein "Antifestival" angekündigt, wenn sein Vertrag nicht verlängert werde.

de Hadeln: Kulturminister Urbani werde schlecht beraten

Er habe offensichtlich einige Gegner in der italienischen Politik. Kulturminister Giuliano Urbani werde schlecht beraten, meinte de Hadeln und betonte, er habe bis heute keine offizielle Begründung dafür gehört, warum sein Vertrag in Venedig nicht verlängert werden soll. "Ich bin bereit, weiter zu diskutieren. Die Mostra ist mir ans Herz gewachsen." Er hat zurzeit nur einen dreimonatigen Beratervertrag für die alljährlich im Spätsommer stattfindenden Filmfestspiele in Venedig, die er seit zwei Jahren leitet.

Die ganze Angelegenheit sei offensichtlich "keine Frage von links oder rechts", sagte de Hadeln in der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "Die Welt" (Samstagsausgabe). "Ich habe den Eindruck, dass sich kleine Clans mit Privatinteressen bekriegen. Dieses komplizierte Netz von Intrigen ist sehr schwer zu durchblicken." (APA/dpa)

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    De Hadeln: "Byzantinismus, der die Biennale der Lächerlichkeit preisgibt"

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