Der Konsum steigt, das Glück nicht

9. Jänner 2004, 01:30
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Worldwatch-Institut: Westlicher Lebensstil bedroht Ökosysteme und Entwicklungschancen armer Länder

Washington - Die weltweite Ausbreitung des westlichen Lebensstils bedroht nach einer Studie des Worldwatch-Instituts die Ökosysteme und Entwicklungschancen armer Länder. Der Trend zu immer mehr und größerem Besitz - größere Autos, größere Kühlschränke, größere Häuser - "ist mehr, als unser Planet ertragen kann", sagte Christopher Flavin, Präsident des Worldwatch-Instituts.

Rund 1,7 Milliarden Menschen gehörten bereits der Konsumentenschicht (consumer class) an, heißt es in dem neuen "State of the World"-Bericht des renommierten Instituts. In den USA zählt das Institut 242 Millionen Menschen dazu, das sind 84 Prozent der Bevölkerung. In Deutschland beträgt dieser Anteil 92 Prozent und in Japan 95 Prozent. Die Hälfte der Konsumenten lebe aber bereits in Entwicklungsländern.

Güterkauf

Die Konsumentenschicht kauft mehr Güter als nötig, um ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Die Ausgaben für Verbrauchsgüter hätten sich seit 1960 auf mehr als 20 Billionen Dollar (knapp 16 Billionen Euro) vervierfacht. Gleichzeitig lebten 1,2 Milliarden Menschen in extremer Armut.

"Mehr Fettleibigkeit, höhere Schulden, wenig Zeit und Umweltschäden zeigen, dass maßloser Konsum die Lebensqualität vieler Menschen beeinträchtigt", sagte Flavin. "Der maßlose Konsumentenappetit untergräbt die Natur und macht es für die Armen der Welt noch schwieriger, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen." Glücklicher mache der zunehmende Konsum auch nicht: Wie schon 1957 würden heute nur ein Drittel der US-Bürger angeben, "sehr glücklich" zu sein, obwohl der Wohlstand damals nur halb so groß war.

Forderungen

Das Institut verlangt ökologische Steuerreformen, damit Hersteller für die mit ihren Produkten verbundenen Umweltschäden zahlen müssen. Unternehmen müssten auch verpflichtet werden, ihre Produkte nach Ende der Gebrauchsphase zurückzunehmen und zu entsorgen. Die Industrie müsse dafür sorgen, dass Verbrauchsgüter mit weniger Rohstoffen hergestellt würden, länger hielten und leichter repariert werden könnten.

Der Verbrauch von Kohle, Öl und Gas habe sich seit 1950 fast verfünffacht, heißt es in dem Bericht weiter. 75 Prozent aller Fischarten seien überfischt. Wälder und Feuchtgebiete würden zerstört, um Platz für Häuser, Einkaufszentren und Fabriken zu machen.

Die größte Verschwendung

Größter Verschwender unter den Industrienationen sind dem Bericht zufolge die USA. US-Bürger werfen jedes Jahr 100 Milliarden Plastiktüten weg und verbrauchen pro Kopf fast vier Mal so viel Wasser wie die Deutschen. Ferner verursachten die USA mit einem Weltbevölkerungsanteil von 4,5 Prozent ein Viertel des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes. Das liege unter anderem an den Automassen in den Vereinigten Staaten, wo die Zahl der Fahrzeuge mit 213,5 Millionen die der Führerscheininhaber übersteige. (APA/dpa)

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    Der Trend zu immer mehr und größerem Besitz "ist mehr, als unser Planet ertragen kann", so Christopher Flavin, Präsident des Worldwatch-Instituts.

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