Sharon möchte Likud über seinen "Abtrennungsplan" nicht konsultieren

9. Jänner 2004, 16:23
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Israels Premier müsste im von Hardlinern dominierten Zentralkomitee der Partei mit einer Mehrheit gegen seine Politik rechnen

Jerusalem - Der israelische Regierungschef Ariel Sharon will seinen "Abtrennungsplan" gegenüber den Palästinensern nicht dem Zentralkomitee seines rechtsnationalen Likud-Blocks vorlegen. In Gesprächen mit seinen Beratern habe Sharon ausgeführt, dass dies nicht erforderlich wäre, berichtete am Donnerstag die Tageszeitung "Maariv". Sharon berufe sich dabei auf das Beispiel des seinerzeitigen Ministerpräsidenten Menachem Begin, der den Friedensvertrag mit Ägypten auch erst nach dessen Unterzeichnung den Parteigremien zur Billigung vorgelegt habe.

Sharon muss in dem von Hardlinern beherrschten Likud-Zentralkomitee mit einer Mehrheit gegen seine Politik rechnen, obwohl er für den Fall eines Scheiterns des internationalen Friedens-Fahrplans (Roadmap) eine einseitige Grenzziehung und die Einverleibung großer Teile der palästinensischen Gebiete durch Israel angekündigt hat. Die Aufgabe einiger Siedlerposten sowie der Verzicht auf besetztes Land im Westjordanland und im Gaza-Streifen werden von seinen ultrarechten Kritikern als Verrat am Ziel einer Ausweitung des jüdischen Staates betrachtet. Die Siedler fühlen sich verraten, denn gerade von dem "Falken" Sharon hätte niemand eine Preisgabe von Siedlungen erwartet.

Die USA haben Sharon dagegen vor den von ihm in Aussicht gestellten "einseitigen Maßnahmen" gegenüber den Palästinensern gewarnt. Der Fahrplan des Nahost-"Quartetts" (USA, EU, UNO, Russland) verlangt das bedingungslose Ende der israelischen Siedlungstätigkeit in den besetzten Gebieten und den Abbau aller seit 2001 errichteten Siedlungen und sieht die Schaffung eines souveränen palästinensischen Staates im Westjordanland und Gaza-Streifen bis 2005 vor. In 150 größeren Siedlungen leben etwa 230.000 Israelis. (APA/AP/dpa)

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    Israels Premier Sharon stellte die Aufgabe einiger Siedlerposten sowie der Verzicht auf besetztes Land im Westjordanland und im Gaza-Streifen in Aussicht. Von seinen ultrarechten Kritikern wird das als Verrat am Ziel einer Ausweitung des jüdischen Staates betrachtet.

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