Erster Saisonsieg für Eberharter

14. Jänner 2004, 12:18
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Überragende Mann- schaftsleistung des ÖSV-Teams bei der Abfahrt in Chamonix - Lasse Kjus vor österreichischer Armada auf Rang zwei

Chamonix - Weltcup-Titelverteidiger Stephan Eberharter hat sich am Samstag erstmals in dieser Saison in die Siegerlisten des alpinen Ski-Weltcups eingetragen. Der 34-Jährige entschied in Chamonix die fünfte Abfahrt dieses Winters für sich, Lasse Kjus distanzierte er um 31/100 Sekunden. Hinter dem Norweger gingen in der Reihenfolge Michael Walchhofer, Andreas Schifferer, Hannes Trinkl, Fritz Strobl, Johann Grugger und Christoph Gruber auch die Plätze drei bis acht an ÖSV-Läufer. Hermann Maier wurde 13. und bleibt Weltcup-Leader.

Erster Nummer eins-Sieg

Eberharter hatte erstmals in seiner Karriere eine Abfahrt eröffnet und landete auf Anhieb sozusagen einen Start-Ziel-Sieg. Über Nacht hatten die Temperaturen angezogen, die Strecke war mehrheitlich eisig und unruhig, daher war die Startnummer eins kein Nachteil. "Unten war es wegen des Regens teilweise nass, da hat es später ein bisschen zu saugen begonnen", erklärte der Tiroler. Als auch Favorit Deneriaz mit Nummer 27 darunter litt und klar hinter Eberharter geblieben ist, glaubte dieser erstmals konkret an den Sieg.

Gelassen hatte der Riesentorlauf-Olympiasieger rund 75 Minuten das Geschehen nach ihm verfolgt, auch im Moment des fixierten Erfolgs blieb er ruhig. "Ich habe nicht groß mitgezittert, da ich mein Bestes gegeben habe. Nur beim zweiten Sprung war ich ein bisschen zu weit links, sonst war die Fahrt okay." Der Stummer sah den Erfolg auch als Bestätigung, dass er es noch immer kann: "Viele haben ja schon gedacht, ich gehöre zum alten Eisen und kann nicht mehr gewinnen." So aber wurde es der erste Sieg seit dem Kvitfjell-Super-G am 13. März des Vorjahres.

Platz drei in der ewigen besten Liste

In der Liste aller Sieger von Weltcup-Abfahrten rückte der Super-G-Weltmeister mit nun 15 Erfolgen ex aequo mit dem Schweizer Franz Heinzer auf Rang drei vor, nur Franz Klammer (25) und der Schweizer Peter Müller (19) waren erfolgreicher. Mit nun insgesamt 26 Weltcup-Erfolgen zog er mit Klammer gleich. "Damit hat sich für mich ein Kindheitstraum erfüllt. Als ich mit sieben Jahren ihn zu Olympia-Gold fahren hab' sehen, war er immer mein Idol."

Nach einem Gespräch mit Herren-Cheftrainer Toni Giger entschied sich Eberharter, im Slalom am Sonntag auf Kombi-Punkte los zu gehen. "Aber es wird schwer. Es sind viele Slalom-Läufer dabei, gegen viele von ihnen hab' ich in der Kombi normal keine Chance." Vorerst noch offen war die Kombi-Entscheidung bei Maier und Knauß, Giger möchte aber möglichst alle seine Läufer am Torlauf-Start sehen. "Ein paar Punkte können heuer in der Endabrechnung entscheiden", meinte der Coach.

Raich in der Kombination Favorit

Ausgezeichnete Karten auf den Kombi-Sieg hat Benjamin Raich. In seiner erst zweiten Abfahrt fuhr er mit nur 1,37 Sekunden Rückstand auf die 1:59,08 Minuten Eberharters auf Platz 14. Auf Maier verlor der Pitztaler damit nur 4/100. Der "Herminator" war auf dem von ihm nicht geliebten Kurs in den französischen Alpen gut unterwegs, ehe er im Mittelteil in Rücklage geriet und so viel an Tempo einbüßte. "Da war ich knapp am Ausscheiden". Im Gesamt-Weltcup führt Maier nun noch 17 Punkte vor Kjus.

Walchhofer fuhr noch mit Nummer 31 auf das Podest und blieb damit klar bzw. 79 Zähler vor Eberharter an der Spitze der Disziplinen-Wertung. "Oben hatte ich einen Fehler, aber herunten hab' ich es super erwischt", meinte der Salzburger Hotelier. Trinkl war mit Rang fünf hinter Schifferer hoch zufrieden, ist es doch sein klar bestes Saison-Ergebnis. "Ich hab' eine gute Mischung aus kämpfen und gehen lassen gefunden", sagte der Oberösterreicher.

Weitere Talentprobe von Grugger

Grugger bestätigte einmal mehr sein großes Talent, zum dritten Mal in dieser Saison nach Lake Louise und Beaver Creek wurde der Salzburger Siebenter. Weltcup-Punkte holten auch Josef Strobl (16.), Klaus Kröll und Hans Knauß (ex aequo 17.), Norbert Holzknecht (19.) und Werner Franz (28.). Nur Thomas Graggaber (44.) und Peter Rzehak (48.) gingen leer aus. Auf Grund des Status einer Kombi-Abfahrt durften ja alle 16 ÖSV-Läufer an den Start gehen.

Mit einem blauen Auge dürfte der Schweizer Herren-Cheftrainer Karl Frehsner davon gekommen sein, wurde doch Bruno Kernen als sein bester Schützling Neunter. Nach den Plätzen eins und zwei im Abschluss-Training hatte man sich bei den Eidgenossen diesmal aber eigentlich mehr erwartet. Ohne Top-Ten-Ergebnis wäre der "eiserne Karl" aus der Steiermark angeblich seinen Job am Montag schon los geworden. Einmal mehr enttäuschte Bode Miller, der US-Amerikaner wurde mit 2,31 Sekunden Rückstand nur 34. (APA)

Ergebnisse der Weltcup-Abfahrt der Herren in Chamonix:

 1. Stephan Eberharter    AUT  1:59,08
 2. Lasse Kjus            NOR    +0,31 
 3. Michael Walchhofer    AUT    +0,75 
 4. Andreas Schifferer    AUT    +0,91
 5. Hannes Trinkl         AUT    +0,92 
 6. Fritz Strobl          AUT    +0,98 
 7. Johann Grugger        AUT    +1,07 
 8. Christoph Gruber      AUT    +1,23
 9. Bruno Kernen          SUI    +1,28 
10. Antoine Deneriaz      FRA    +1,32 
  . Bryon Friedman        USA    +1,32 
  . Didier Cuche          SUI    +1,32 
13. Hermann Maier         AUT    +1,33 
14. Benjamin Raich        AUT    +1,37 
15. Daron Rahlves         USA    +1,38 
16. Josef Strobl          AUT    +1,55 
17. Hans Knauß            AUT    +1,57 
  . Klaus Kröll           AUT    +1,57 
19. Norbert Holzknecht    AUT    +1,60 
20. Patrik Järbyn         SWE    +1,62 
21. Kristian Ghedina      ITA    +1,66 
  . Marco Büchel          LIE    +1,66 
23. Rolf Von Weissenfluh  SUI    +1,68 
24. Luca Cattaneo         ITA    +1,73 
25. Kurt Sulzenbacher     ITA    +1,76 
26. Ambrosi Hoffmann      SUI    +1,88 
27. Yannick Bertrand      FRA    +2,00 
28. Werner Franz          AUT    +2,06
29. Alessandro Fattori    ITA    +2,10 
  . Johan Clarey          FRA    +2,10 
    weiter:
44. Thomas Graggaber      AUT    +2,79 
48. Peter Rzehak          AUT    +2,92 
Ausgeschieden u.a.: Nicolas Burtin (FRA)
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Stefan Eberharter kehrte auf die Spitze des Siegespodest zurück.

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