Freigelassener marokkanischer Journalist will weiterkämpfen

16. Jänner 2004, 13:38
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War im Juni 2003 wegen Majestätsbeleidigung zu drei Jahren Haft verurteilt worden

Der vom marokkanischen König Mohammed VI. begnadigte Journalist Ali Lamrabet hat sich kämpferisch gezeigt und angekündigt, er werde weiter kritisch und satirisch über sein Land berichten. Er wolle Blätter mit Titeln wie "Apres-demain" ("Übermorgen") oder "Demain libere" ("Morgen befreit") herausgeben, sagte Lamrabet am Donnerstag im französischen Sender Radio France Internationale.

Der Journalist war im Juni 2003 wegen Majestätsbeleidigung zu drei Jahren Haft verurteilt worden und nach einem gut einmonatigen Hungerstreik am Mittwochabend freigelassen worden. Mit ihm kamen sechs Kollegen und zwölf islamische Fundamentalisten aus der Haft.

Der seit 1999 regierende Mohammed VI. sei "überhaupt nicht liberaler" als sein verstorbener Vater Hassan II., kritisierte Lamrabet. Unter Hassan II. habe er zuletzt "viel mehr Sachen" schreiben können, zudem habe dieser "seit 1970 keine Journalisten ins Gefängnis gesteckt". Mohammed VI. hatte die Begnadigung als humanitäre Geste bezeichnet und erklärt, er wolle "bei der Verbreitung der Menschenrechte immer weiter voranschreiten". Lamrabet und die anderen freigelassenen Journalisten waren beim Verlassen des Gefängnisses von Freunden gefeiert worden. Begnadigt wurden auch zwölf Fundamentalisten, die zwischen 1970 und 1990 inhaftiert worden waren.

In Marokko gebe es "keine Tradition satirischer Presse", kritisierte Lamrabet. Wer eine Zeichnung eines Amtsträgers veröffentliche, müsse gleich mit einer Verfolgung wegen Diffamation und Beleidigung rechnen. Er selbst habe sich im Gefängnis nicht verändert und wolle seinen Kampf für die Pressefreiheit fortsetzen. Das marokkanische Justizministerium hatte betont, Lamrabets ehemaliges Wochenblatt "Demain Magazine" und die arabische Ausgabe "Doumane" blieben verboten. (APA)

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