IWF attackiert US-Regierung

8. Jänner 2004, 14:28
1 Posting

Das rekordhohe US-Haushaltsdefizit bereitet dem Währungsfonds große Sorge

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) betrachtet das rekordhohe US-Haushaltsdefizit mit großer Sorge. Er rief die US-Regierung am Mittwoch dringend dazu auf, die Schulden abzubauen. Ansonsten drohten höhere Zinsen, die Privatinvestitionen ersticken und damit Produktivität und Wachstum beeinträchtigen, schrieb der IWF in einer Analyse der amerikanischen Finanzsituation. Auch die dringend nötige Sanierung der Renten- und der staatlichen Krankenkasse sei damit in Frage gestellt.

Die US-Haushaltssituation habe sich innerhalb weniger Jahre drastisch verschärft, hält der IWF fest. Während im Jahr 2000 noch ein Überschuss von zweieinhalb Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet wurde, rechnet die Regierung jetzt mit einem Defizit von mehr als vier Prozent im laufenden Jahr. Noch vor wenigen Jahren habe die Regierung den Abbau sämtlicher Staatsschulden im Blick gehabt. "Seitdem hat eine Kombination aus zyklischen, geopolitischen und politischen Faktoren die Errungenschaften fiskalischer Konsolidierung eines ganzen Jahrzehnts ausradiert, und das kurz vor der Pensionierung der geburtenstarken Jahrgänge", hält der IWF fest.

"Bedeutende Risiken für den Rest der Welt"

Als Wachstumsanreiz habe die amerikanische Fiskalpolitik mit ihren Zinssenkungen die globale Wirtschaft in der Vergangenheit zwar unterstützt, räumt der IWF ein. "Aber ein großes US-Defizit birgt auch bedeutende Risiken für den Rest der Welt", hielt der IWF fest. Wachsende Defizite ließen die realen Zinsen in aller Welt steigen. Zudem führten die Auslandsschulden - mit bald 40 Prozent des BIP auf "nie da gewesener Höhe für ein großes Industrieland" - zu erheblichem Druck auf den Dollar. "Die möglichen globalen Risiken einer wenig geordneten Wechselkursanpassung dürfen nicht ignoriert werden."

Die amerikanische Rentenkasse (Social Security) und die staatliche Krankenversicherung (Medicare) seien zudem erheblich unterfinanziert, schrieb der IWF. Die Beiträge müssten erhöht und die Auszahlungen begrenzt werden. Der IWF fordert die Regierung in Washington auf, dringend einen Plan zum Schuldenabbau vorzulegen und Reformen der Renten- und Krankenkasse auf den Weg zu bringen.(APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Rüffel für Bush: Die US-Haushaltssituation habe sich innerhalb weniger Jahre drastisch verschärft, hält der IWF fest.

Share if you care.