Tate-Gallerien denken an Umschichtung

13. Jänner 2004, 20:39
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Britischer Museums-Cluster überlegt Verkauf von Beständen zum Zweck des Erwerbs neuer Kunstwerke

London - Die britischen Tate-Gallerien überlegen erstmals seit 50 Jahren den Verkauf von Exponaten aus ihrer riesigen Sammlung. Damit soll nach Presseberichten von Donnerstag der Ankauf neuer Exponate zeitgenössischer Künstler finanziert werden. Tate-Direktor Nicholas Serota erklärte: "Die Öffentlichkeit erwartet, dass die bedeutendsten britischen Künstler angemessen bei uns vertreten sind. Aber wir sind dazu nicht in der Lage".

Der Hauptgrund dafür ist, dass die vier Tate-Gallerien (Tate Britain, Tate Modern, Tate St. Ives und Tate Liverpool) mit den am Kunstmarkt üblichen Preisen nicht mithalten können. Zwar ziehen die Museen jedes Jahr Millionen Besucher an, doch schlägt sich das finanziell kaum zu Buche. Da der Eintritt in die regulären Sammlungen frei ist, sind die Tate-Gallerien zunehmend auf Stiftungen und Spenden angewiesen. Die staatliche Unterstützung reicht kaum für den Erhalt der Bestände und Gebäude.

Der Verkauf von Beständen ist für Tate allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Nach einem Gesetz aus dem Jahr 1992 ist dies nur in Ausnahmefällen möglich. Die Museumsleitung hat daher auch nur sehr beschränkte Pläne. Demnach sollen nur bestimmte Werke zeitgenössischer Künstler verkauft und für den Erlös andere Werke derselben Künstler erworben werden. Die einmalige historische Sammlung hingegen soll unangetastet bleiben. "Wir werden nicht einen Turner verkaufen, um einen Hirst zu erwerben", sagte Serota.

Die Künstler stehen den Plänen der Tate positiv gegenüber. So sollen bereits erste Gespräche mit dem Bildhauer Anthony Caro stattgefunden haben, von dem die Tate zwar 18 Exponate seines Frühwerks, aber keines seines späteren Schaffens hat. Auch andere bedeutende Gegenwartskünstler wie etwa Damien Hirst sind in der Tate kaum vertreten, da sein Werk zum Großteil von dem privaten Sammler und Mäzen Charles Saatchi aufgekauft wurde. Hirst vereinbarte übrigens kürzlich mit Saatchi den Rückkauf eines Teils seiner Werke, die er auf dem Markt zu Geld machen will.

Die 1897 gegründete Tate-Gallerie ist eine nationale britische Institution. Sie beherbergte zunächst die private Sammlung des Zuckermagnaten Sir Henry Tate und entwickelte sich über die Jahrzehnte zum wichtigsten Museum britischer bildender Kunst ab dem 16. Jahrhundert. Vertreten sind alle wichtigen Maler der nationalen Kunstgeschichte wie Turner, Blake, Constable, Beardsley und viele andere mehr.

Darüber hinaus besitzt das Museum eine umfangreiche internationale Sammlung, zu sehen in der Tate Modern. Das in einem ehemaligen Wärmekraftwerk an der Themse untergebrachte Museum wurde seit seiner Eröffnung im Mai 2000 zu einer der größten Attraktionen Londons. Die vier Tate-Gallerien haben derzeit nach eigenen Angaben exakt 63.021 Exponate. Nur ein Bruchteil davon kann gezeigt werden. (APA)

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    Blick auf das Logo für London Ambitionen auf die 2012er- Olympicschen Spiele 2012 an der Wand der Tate Modern

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