Schwacher Dollar belastet Mercedes

25. Jänner 2004, 17:39
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Konzern erwägt, mehr in den USA zu produzieren - Gentz schloss Kapitalspritze für Mitsubishi nicht mehr aus

Detroit - Ein anhaltend schwacher Dollar würde nach Angaben von DaimlerChrysler-Finanzvorstand Manfred Gentz die Marke Mercedes-Benz im kommenden Jahr massiv belasten. Als Reaktion darauf erwäge der Konzern, mehr in den USA zu produzieren.

"2004 werden die Folgen eines schwachen Dollar begrenzt sein, weil wir in hohem Maß gehedgt sind", verwies Gentz in einer Analystenkonferenz am Mittwochabend auf umfangreiche Währungssicherungsmaßnahmen des Konzerns. "Sollte es 2005 auf dem gleichen Niveau weiter gehen, würde sich das massiv auf die Ergebnisse von Mercedes-Benz auswirken", fügte der Finanzchef hinzu. Der Euro war mit über 1,28 Dollar am Mittwoch auf den höchsten Stand gegenüber der amerikanischen Währung gestiegen. Damit verteuern sich Exporte aus der Euro-Zone.

Erhöhung der Produktion in Tuscaloosa

Eine Möglichkeit, mit einem langfristig starken Euro fertig zu werden, wäre die Erhöhung der Produktion in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama, sagte Gentz. Dort baut Mercedes-Benz bisher vor allem Geländewagen. Für die für 2004 geplante Einführung des sechssitzigen Grand Sports Tourer (GST) verdoppelt Mercedes dort ohnehin bereits die Kapazitäten.

Mercedes-Benz war zuletzt der Stabilitätsfaktor im Konzern, während Chrysler nach Andeutungen von CEO Dieter Zetsche 2003 wahrscheinlich sogar sein Mindestziel einer "schwarzen Null" verfehlt hat. Zetsche berichtete vor den Analysten, Chrysler habe seit 2001 mehr als 35.000 Stellen gestrichen, fast 10.000 mehr als geplant, und sei damit wieder auf dem Mitarbeiterstand von 1996.

Kapitalspritze für Mitsubishi

Finanzchef Gentz schloss eine Kapitalspritze für den unter Milliardenschulden leidenden japanischen DaimlerChrysler-Partner Mitsubishi Motors nicht mehr aus. "Es gibt eine Debatte um eine Kapitalerhöhung, die sinnvoll sein könnte, aber es gibt noch keine Entscheidung", sagte er. Bisher hatte DaimlerChrysler eine finanzielle Unterstützung für das Unternehmen abgelehnt, an dem der Stuttgarter Konzern 37 Prozent hält. Allerdings könnte die geplante Übernahme weiterer Anteile an dem von Mitsubishi Motors abgespaltenen Lkw-Hersteller Fuso durch DaimlerChrysler frisches Geld in die Kassen der Japaner spülen. Eine Aufstockung der Beteiligung an Mitsubishi selbst sei weiter nicht geplant, bekräftigte Gentz.

Der DaimlerChrysler-Finanzchef spielte die Auswirkungen der vorerst fehlgeschlagenen Einführung der Lkw-Maut in Deutschland durch das "Toll-Collect"-Konsortium um DaimlerChrysler und die Deutsche Telekom herunter. "Die Auswirkungen auf das Ergebnis 2003 werden ziemlich gering sein, und ich glaube, dass das auch 2004 in einer beherrschbaren Größenordnung sein wird", sagte er. Das Konsortium soll bis Ende Jänner ein neues Datum für den Start der Mauterhebung nennen, hat bisher aber den von der Bundesregierung für die Einnahmeausfälle geforderten Schadenersatz abgelehnt.(APA/Reuters)

  • Eine Möglichkeit, mit einem langfristig starken Euro fertig zu
werden, wäre die Erhöhung der Produktion in Tuscaloosa im
US-Bundesstaat Alabama.
    foto: epa/szenes

    Eine Möglichkeit, mit einem langfristig starken Euro fertig zu werden, wäre die Erhöhung der Produktion in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama.

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